„Sagen Sie mal, Herr Bims…“

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Teil 30: Korruption

Autor: Bert Bims

Zuletzt wollten viele Leser wissen, ob ich nun Society-Reporter, Fußballexperte oder doch eher Politik-Fachmann wäre? Was für eine Frage. Natürlich schütte ich mir lieber zusammen mit den Reichen und Schönen ein paar Cocktails hinter die Birne, anstatt mich in der Politik mit Leuten wie Automaten Ali oder im Fußball mit korrupten Funktionären wie Sepp Blatter abzugeben. Ich höre Sie deshalb schon wieder zu Tausenden fragen: „Sagen Sie mal Herr Bims, was halten Sie denn von dem Thema Korruption?

Korruption ist mitten unter uns, solange Leute wie Sepp Blatter ihr Unwesen bei der FIFA treiben dürfen. Erst hat der Schweizer alle geschmiert, damit sie ihn nochmal wählen, dann hat er seinen Rücktritt angekündigt, um kurz danach den Rücktritt vom Rücktritt in Erwägung zu ziehen. Die Frage, die sich Viele gestellt haben, war jedoch eine andere: „Seit wann kann man denn überhaupt bei der Mafia zurücktreten?“ (Hinweis: Das ist nur eine rein rhetorische Frage, denn man kann ja schließlich auch bei der Wormser SPD zurücktreten). Im Laufe meines ereignisreichen Lebens, das mich nach meiner Ausbildung zum städtisch geprüften Schiffschaukelbremser auf dem Wormser Backfischfest in die entlegensten Regionen unseres Erdballs geführt hat, war ich auch ein paar Monate lang als FIFA-Exekutivmitglied für Äquatorialguinea, Tadschikistan, die Salomon-Inseln und anschließend noch für das Sultanat Brunei Darussalam tätig und kann nur bestätigen, was viele Medien berichten. Man wird ständig nur geschmiert. Mal 10.000 Dollar – mal 1 Million. Auch ich habe mich damals korrumpieren lassen. Weil aber Luxushotels, schnelle Autos und schöne Frauen nun mal zu den Schattenseiten im Leben gehören, habe ich, bevor die Weltpolizei unter der Führung Barack Obamas auf mich aufmerksam wird, beschlossen, ein besserer Mensch zu werden und beim WO! Stadtmagazin anzuheuern, um mich endlich wieder den Sonnenseiten des Lebens widmen zu können. Den Freiluftfesten, den Gartenpartys, den regionalen Kulturevents. Seitdem bin ich in Worms bekannt als der Mann, der die Feste feiert wie sie fallen und der erst dann nach Hause geht, wenn der Barkeeper seinen Getränkeschrank abschließt. Hier werde ich zum Feierstarter, der – frei nach Prodigy – als Erster die Tanzfläche entert. Dann lege ich, wie einst John Travolta in „Saturday Night Fever“, einen heißen Tanz aufs Parkett und hauche den reizenden Damen der Wormser Hautevolee Songs wie „How deep is your love“ von den Bee Gees ins Ohr. Natürlich dreistimmig. Oder „Too shy“ von Kajagoogoo. Erst da blüht ein Bert Bims so richtig auf, wenn er inmitten der Wormser High Society ein gekühltes Getränk lüpfen kann und dabei seinen Gesprächspartnern vollkommen unbemerkt das eine oder andere Geheimnis entlockt. Deswegen bin ich durch die harte Schule beim Axel Springer Verlag gegangen und wurde anschließend zusammen mit der RTL-Auslandskorrespondentin Antonia Rhados in Afghanistan ausgebildet. Nur aufgrund dieser Qualifikationen wurde ich überhaupt erst beim WO! genommen, Abteilung: Klatschpresse. Wenn ich täglich gegen 13 Uhr aufstehe, ist mein einziges Ziel für den Tag, die oberen Zehntausend von Worms zu treffen. Auch wenn sich jetzt sicher viele fragen, ob es in Worms überhaupt Zehntausend gibt, die oben sind.

Umso verärgerter war ich, als unser neuer Praktikant meine Methoden, wie ich meinem Gegenüber Infos so entlocke, dass der es nicht einmal merkt, anzweifeln wollte. Zudem wollte der Rotzlöffel wissen, ob ich letztes Jahr tatsächlich in einem Zelt im Heylshof übernachtet hätte und ob es nicht gesundheitsschädlich wäre, wenn man sich zwei Wochen lang überwiegend von „Whiskey sauer“ ernährt? So ein eierloses Geseier. Da hab ich dem Burschen eine gepfefferte Antwort hingeschleudert: „Na klar, Kleiner oder was glaubst du, wie ein ordentlich recherchierender Journalist von der Yellow Press an seine brandheißen Infos rankommt?“ Gut okay, unser Verlagschef hat mich natürlich schon gefragt, wieso auf meiner Spesenabrechnung für die zwei Wochen Nibelungen Festspiele 192 Cocktails stehen würden? Und wie er das dem netten Herrn vom Finanzamt Worms erklären solle? Hallo? Ich muss an brisantes Material rankommen, das so heiß ist, dass ich mich aller Mittel bedienen muss. Auch Alkohol. Und sobald sich die FDP, diese für alle so unerwartete Kifferbande, endlich mit ihrer Forderung nach Legalisierung von Cannabis durchgesetzt hat, werde ich zukünftig vollkommen legal ein paar Haschcookies quer im Heylshof auf den Tischen verteilen. Dann können Sie mal sehen, wie sich plötzlich alle lieb haben und dem freundlichen Herrn Bims sogar die PIN-Nummern ihrer EC-Karte anvertrauen. Mir, dem absolut unbestechlichen, regionalen Society-Experten, der Sekt grundsätzlich nur aus weiblichen Bauchnabeln oder Damen-Pumps trinkt, sich ansonsten aber, gerne gegen wohlwollende Berichterstattung, auch mal auf einen Cuba Libre (mit zwei Eiswürfeln), einen Whiskey sauer im Heylshof oder einen „77“ in der Funzel einladen lässt. Übrigens vollkommen ohne Skrupel. Sollte mich irgendwann so etwas wie ein schlechtes Gewissen überkommen, werde ich einfach daran zurückdenken, wie ein WO!-Kollege in den Anfangszeiten der Nibelungen Festspiele des Nachts um halb vier in dem Zelt aufgefunden wurde, in dem auch das Büffet aufgebaut war. Mit offenem Mund. Unter „ihm“ liegend. Dem immer noch rieselnden Schokobrunnen. Seitdem ist nicht nur der Schokobrunnen verschwunden, sondern auch die Schamgrenze eines WO! Redakteurs grundsätzlich eher im unteren Bereich angesiedelt (oder sogar gar nicht mehr vorhanden?). Wenn wir uns also demnächst mal über die Füße fallen, können Sie mich absolut bedenkenlos auf einen Drink einladen oder mir in Ihrer Funktion als Veranstalter ein paar Scheinchen zustecken und ich werde dafür ihr Event garantiert über den grünen Klee loben. Aber tun Sie mir bitte einen Gefallen: Erinnern Sie mich bloß nicht an Sepp Blatter, dieses korrupte Schwein!!