Sagen Sie mal, Herr Bims?

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Teil 68: Befangenheit im OB-Wahlkampf

Nach meiner letzten Kolumne, in der ich mich dazu bekannt hatte, den Kollegen zu meiner Linken zum neuen Oberbürgermeister von Worms zu wählen, erhielt ich – neben Tausenden an positiven Bekundungen ganz vieler Bürger, die es mir gleich tun werden – auch vereinzelt negative Resonanz. Hauptvorwurf: Ich würde unterschwellig politische Werbung für einen Kollegen betreiben. Ich höre Sie deshalb schon wieder zu Tausenden fragen: „Sagen Sie mal, Herr Bims, sind Sie etwa befangen, was die OB-Wahl angeht?“

Wer mich kennt, weiß, dass Begriffe wie „unterschwellig“ oder gar „subtil“ für mich Fremdwörter sind. Meine treuen Leser schätzen mich wegen meiner klaren Worte. „Klar für Worms“ oder „Klartext mit Bert Bims“ sozusagen, auch wenn unser Verlag deswegen schon eine mittlere vierstellige Summe an beleidigte Politiker abdrücken musste. Ich kann ganz unverhohlen Partei für meinen Kolumnistenkollegen ergreifen, weil mein Ruf eh schon völlig versaut ist. Weniger wegen meiner vielen Alkohol- und Drogenexzesse, die als Society-Reporter einer Stadt wie Worms zwangsläufig nicht ausbleiben, sondern wegen einem dunklen Punkt in meiner Vergangenheit, den ich am liebsten ungeschehen machen würde. Nach meiner Ausbildung zum Schiffschaukelbremser auf dem Wormser Backfischfest hat es mich Richtung Süden verschlagen, wo ich Mitte der 90er eine Zeitlang im Ortsbeirat einer kleinen bayrischen Gemeinde namens Pups, südöstlich von München und knapp sechs Kilometer von Feldkirchen entfernt, mitgewirkt habe. Heute schäme ich mich dafür, aber ich kann es nicht mehr ändern: Ich trug damals das Parteibuch der CSU und hatte ein Kruzifix über meinem Bett hängen. Da ich aber schon nach kurzer Zeit beruflich nach Schabernack in Unterfranken versetzt wurde, blieb mein einziger Erfolg im Pupser Ortsbeirat, dass vor den Kindergarten im Ort – auf meine Initiative hin – ein Zebrastreifen kam. Mein Kollege Peter Englert wird als OB in einer Weltstadt wie Worms sicherlich mehr bewegen als ich in Pups. Da bin ich mir sicher. Ob der Peter dem Job überhaupt gewachsen wäre, wurde ich zuletzt gefragt. Es gibt gleich mehrere Jobs, die ich ihm bedenkenlos zutrauen würde, ohne dass überhaupt eine nennenswerte Verschlechterung eintreten kann: US-Präsident, Aufsichtsratschef des Berliner Flughafens, Bundesverteidigungsministerin. Und natürlich Oberbürgermeister in Worms.

Während es aber den größten Affen möglich ist, US-Präsident zu werden, ist es ohne rotes Parteibuch nahezu unmöglich, Oberbürgermeister einer Stadt wie Worms zu werden. Mit Kissel im OB-Wahlkampf ist es wie mit Bayern München in der Bundesliga. Die mag auch keiner, aber am Ende der Saison werden sie vermutlich doch wieder Deutscher Meister. Während aber die Bayern an ihrem traditionellen „Rot“ festhalten, will Kissel mit seiner bundesweit bei 16 Prozent rumdümpelnden Volkspartei am liebsten gar nicht in Verbindung gebracht werden. Kissels Wahlkampfbroschüre erkennt man deshalb sofort an den für die SPD so typischen hellblauen Farben. Daneben ein authentisches Bild, ganz ohne Photoshop-Bearbeitung, quasi ein Kissel wie in Stein gemeißelt. Im Innenteil ein paar Texte über Worms, die ein wenig wie Helmut Kohls blühende Landschaften klingen und direkt aus der Feder einer pfiffigen Werbeagentur stammen könnten. Kostprobe gefällig?

„Der Wert von Politik misst sich daran, dass sie keinen zurücklässt. Deshalb müssen wir uns um die Menschen kümmern, die sich verlassen fühlen. Sie müssen sich auf uns verlassen können“.

Ob irgendein desillusionierter Willy-Brandt-Wähler im Jahr 2018 noch auf solche Phrasen reinfällt? Bekanntlich will Kissel mit unserem Magazin seit der Berichterstattung über seinen Immobilienmakler-Buddy aus Oppenheim nicht mehr sprechen, aber in seiner Wahlkampfbroschüre führt er wenigstens ein Interview mit sich selbst. Das ist insofern praktisch, weil man ja viel bessere Antworten geben kann, wenn die Fragen von einem selbst stammen. Im Gespräch mit sich selbst kommt Kissel letztendlich zu dem Fazit: „Das Beste kommt noch“. Vermutlich aber erst nach seiner Amtszeit, wenn irgendein Hanswurst für neuen Schwung in Worms sorgt….

In diesem Sinne: #WormsWillWeiter

Gehen Sie am 4. November wählen!!!
Ihr politisch befangener Bert Bims