„Wir können beim Spielen den Sonnenuntergang sehen!“

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WO! im Gespräch mit Oscar Ortega Sanchez

Schauspielerei war eigentlich gar nicht sein Berufsziel. Erst mit 24 infizierte er sich mit dem Künstlervirus, zuvor schloss er eine grundsolide Ausbildung zum Industriekaufmann ab. Geboren wurde der Hesse mit spanischem Namen 1962 in Lampertheim, als zweites von fünf Kindern seiner spanischen Eltern. Nach einer denkwürdigen Theaterbegegnung im Kasseler Kellertheater fand er schließlich seine Bestimmung, nämlich die der Schauspielerei. Bevor er durch Film und Fernseher einem größeren Publikum bekannt wurde, spielte Sanchez sieben Jahre als festes Ensemblemitglied an der Hamburger Bühne. Im Kino wurde er schließlich durch die Krimikomödie „Bunte Hunde“ (1995) einem größeren Publikum bekannt. Seitdem ist er ein gern gesehener Darsteller auf der Leinwand. Im Fernsehen feiert er seit 2008 als Polizeikollege des ehemaligen Etzel-Darstellers Erol Sander große Quotenerfolge mit der Serie „Mordkommission Istanbul“. Einen Polizisten spielt er auch in der diesjährigen Nibelungen-Inszenierung „Glut. Siegfried von Arabien“, nämlich den osmanischen Polizeichef Enver Sahin. WO! sprach mit dem sympathischen Hessen über seine Rolle und die Herausforderung, vor der imposanten Kulisse des Doms zu spielen.

Waren Ihnen die Festspiele vorher schon ein Begriff gewesen?
Ja, die sind mir natürlich ein Begriff gewesen, schon seit Jahren. Die Festspiele haben eine sehr hohe Präsenz und Aufmerksamkeit in der Theaterlandschaft, die in den letzten 2 – 3 Jahren nochmal gestiegen ist. Ich habe mich, bevor ich den Vertrag unterschrieben habe, noch einmal bei meinem Freund Uwe Ochsenknecht erkundigt, der war ja letztes Jahr da und war sehr glücklich über seine Zeit in Worms. Uwe sagte mir, dass ich das unbedingt machen soll.

Hat er einen Grund genannt, warum?
Er fühlte sich sehr herzlich und warm aufgenommen. Die Leute sind sehr aufmerksam und liebevoll und versuchen, einem den Aufenthalt in Worms so angenehm wie möglich zu machen.

Werden Sie während dieser Zeit auch nach Lampertheim fahren?
Selbstverständlich.

Ihre Eltern wohnen noch dort?
Nein, aber meine Mutter wohnt in Mannheim und die werde ich natürlich zumindest für den Sonntagsbraten besuchen.

Herr Ochsenknecht sagte mir im letzten Jahr, dass er das Gefühl habe, dass hier die Menschen, im Gegensatz zu Berlin, weniger hektisch sind, alles ein wenig langsamer sei. Schmunzelnd meinte er, dass dies möglicherweise mit dem Wein zusammenhänge.
Das kann ich noch nicht beurteilen, aber langsamer heißt ja nicht, dass es unangenehmer ist.

Können Sie schon etwas zu Ihrer Rolle sagen, die Sie spielen?
Ich werde einen Polizeichef spielen, der die Reisetruppe im Zug begleitet und der allen gegenüber sehr misstrauisch ist. Und natürlich die Position der damaligen Türkei, also des Osmanischen Reiches, vertritt.

Sie werden gerne in der Rolle des Ausländers besetzt, ärgert sie das manchmal?
Nö.. überhaupt nicht.

Gibt es da nicht die Gefahr des Typecastings, also dass man auf einen bestimmten Typ festgelegt ist?
Das ist so, ich kann es nicht ändern und das betrifft andere Schauspieler auch. Man hat ein äußerliches Erscheinungsbild und die Rollen, die man spielt, lehnen sich in der Regel auch daran an. David (Bennent, Anm. d. Red) wird zum Beispiel niemals einen Riesen spielen, zumindest im Fernsehen. Also insofern ist es für mich kein Manko, dass ich öfter in ausländischen Rollen besetzt werde, denn das würde ich genauso machen. Ich sehe dies auch nicht als negativ. Es gibt da genauso interessante Figuren.

JA, durchaus. Oft sind es ja auch die kleineren Nebenfiguren, die spannender zu spielen sind.
Es ist nicht zwangsläufig so, aber man kann auf eine bestimmte Art und Weise rangehen und man kann mit kleineren Figuren vielleicht auch mehr riskieren und schauspielerisch Sachen ausprobieren, die man in der Hauptrolle vielleicht eher nicht wagen würde. Aber man kann und sollte, das ich mein Kredo, auch bei kleinen Figuren darauf achten, dass sie in Erinnerung bleiben.

Unbedingt. Sie spielen in der Serie „Mordkommission Istanbul“ einen türkischen Polizisten. Haben Sie von Türken schon Rückmeldungen bekommen, wie authentisch sie Ihre Darstellung empfinden?
In Istanbul habe ein sehr positives Feedback bekommen und das schon nach 2 – 3 Jahren. Am Taximplatz wurde ich schon öfters von Türken angesprochen, die mich nach bestimmten Wegen fragten. Das zeigte mir, dass es da eine gewisse Glaubwürdigkeit gibt.

Haben Sie sich eigentlich schon mit Ihrem Kollegen Erol Sander über die Nibelungen ausgetauscht?
Nein, das haben wir noch nicht.

Er war 2015 bei den Festspielen als König Etzel dabei.
Ach richtig…das war aber noch bei Wedel, davon hat er mir erzählt und er hat es auch sehr gemocht.

Haben Sie persönlich als in Lampertheimer Geborener Bezüge zu der Nibelungensage?
Nicht direkt. Ich muss sagen, ich habe durchaus eine Affinität zur klassischen Musik, insofern ist mir natürlich „Der Ring der Nibelungen“ ein Begriff. Wobei ich mich Wagner noch nicht richtig annähern konnte.

Das ist ja auch ein ziemlich monumentales Werk.
Allerdings. Ich beschäftige mich erst seit 10 bis 15 Jahren mit klassischer Musik. Angefangen habe ich mit Mozart. Ich begeistere mich auch für Bach. Zurzeit bin ich ein großer Fan der Barockmusik und das ist von Wagner schon weit entfernt. Aber im Rahmen dieser Aufführung, werde ich mich sehr gerne damit beschäftigen. Bei einer meiner ersten Theateraufführungen habe ich mal am Thalia Theater in Hamburg in einer Nibelungen-Inszenierung nach Hebbel gespielt

Welche Figur haben Sie da gespielt?
Das war eine ganz kleine Rolle. Ich weiß gar nicht mehr wie die hieß. Das war in meiner Anfängerzeit. Aber ich erinnere mich, dass ich mich zur Vorbereitung intensiv mit dem Stoff auseinandergesetzt habe.

Macht es für Sie einen Unterschied, vor einer Kamera zu stehen oder auf einer großen Open Air Bühne? Was bevorzugen Sie?
Ich habe da keine Präferenzen. Es sind durchaus verschiedene Disziplinen. Ich kann mir vorstellen, dass es in Worms mit dem Dom im Hintergrund sicherlich eine andere Art und Weise ist zu spielen. Dieses Bewusstsein muss man schon mit sich tragen.

Ich kann auch schon mal verraten, dass sie auf der Westseite des Doms spielen.
Das ist doch herrlich, da können wir beim Spielen den Sonnenuntergang sehen, da freue ich mich drauf.

Verschiedene Schauspieler meinten zuvor, dass der Dom fast schon so was wie ein eigener Charakter ist. Sehen Sie das auch so?
Natürlich. Er ist sehr imposant und mächtig und das kann schon furchteinflößend sein. Man fragt sich, wie kann ich in diesem Raum bestehen? Aber da werden wir ja nicht alleine gelassen. Und der Nuran hat mittlerweile genug Erfahrung, um zu wissen, was da schauspielerisch möglich ist und was nicht.

Wir danken Ihnen für das Gespräch.