Sagen Sie mal, Herr Bims?

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Teil 53: Politikfreie Zone

Der Sommer ist da, nun jagt jede Woche ein Event das nächste und deshalb hat die WO! Redaktion keinen Bock mehr auf Politik. Ich höre Sie deshalb schon wieder zu Tausenden fragen: „Sagen Sie mal, Herr Bims, ist bei Ihnen denn auch politikfreie Zone?“

„Scheiß auf die Politik (er)!“ hat unser Chef im letzten Monat gepoltert. Dann füllen wir die Seiten zwischen der Werbung halt nur noch mit den eigenen Presseerklärungen von Politikern, da müssen wir wenigstens nicht mehr recherchieren. Natürlich nur von denen, die auch fleißig Inserate schalten. Die Held(en) vom NK machen es doch erfolgreich vor, warum also nicht einfach auf diesen kritiklosen Zug mit aufspringen? „Wer kriecht, stolpert nicht“ ist schließlich eine alte Büroweisheit. Als sich redaktionsintern immer mehr Lethargie und fast schon Untergangsstimmung breitmachte, musste schließlich meine Wenigkeit, obwohl nur schnöder Society-Reporter des Verlages, das Wort ergreifen: „Leute, wacht auf! Seid ihr alle nicht einst angetreten, um dem Filz in der Politik den Garaus zu machen und nebenbei den Pulitzer-Preis für investigativen Journalismus abzustauben?“ Zugegeben: Ganz uneigennützig war mein Vorpreschen natürlich nicht. Schließlich bin ich der Leidtragende, der sich den Sommer über mit den ganzen Freibiernasen ums Buffet streiten muss. Spätestens wenn das Kommando des Gastgebers „alles fer umme“ ertönt, rennt dich ein Politiker garantiert über den Haufen. Ich will hier keine Namen nennen, aber mit „Sicherheit und Ordnung im Buffetverkehr“ hat dieses Verhalten wenig zu tun. Von daher freue mich über jeden Politiker, der einen offiziellen Termin, bei dem es kostenloses Futter gibt, absagen muss, weil er sich dringend mit seinem Staranwalt beraten muss. Man muss Politiker einfach immer beschäftigen, sonst kommen sie auf dumme Gedanken.

Die Nibelungen-Weihnacht

Zum Beispiel unseren „Wormser Weihnachtsmarkt“ umzubenennen in „Nibelungen Weihnacht“. Keine Sorge, liebe bibeltreue Christen, auch unser Sonnengott Michael I. darf sich nicht über den Allmächtigen stellen und einfach so die Weihnachtsgeschichte umschreiben. Das wären eindeutig Fake News. Zwar will ich die Theorie meines Kollegen zur Linken, dass Siegfried in Glühwein badete und hierbei ein Lebkuchenherz auf seinen Rücken fiel, nicht gänzlich ausschließen. Allerdings erkenne ich in erster Linie das Alleinstellungsmerkmal dieses Nibelungen-Weihnachtsmarktes, besteht doch dadurch die Riesenchance, sich kulinarisch weiter zu entwickeln. Zumindest auf dem Papier. Während es auf anderen Weihnachtsmärkten die obligatorische „Currywurst mit Pommes“ gibt, könnte diese bei uns heißen: „in pikantem Drachenblut gebadeter Siegfriedszipfel mit frittierten Grumbeerstreifen“. Ist zwar die gleiche Currywurst mit Pommes wie vorher, aber das klingt doch bedeutend besser. Die Nachfrage der Verkäuferin: „En rode oder en weiße Zippel?“ darf man aber bedenkenlos weiterhin mit „En weiße!“, beantworten, auch wenn die Stadt fest in roter Hand ist. Nicht der Geschmack, sondern der Name macht’s. Als ich mit dem Kollegen Dirigo nach der Nibelungen-Pressekonferenz in Berlin mit der Deutschen Bahn zurück gefahren bin, habe ich im Bordrestaurant „Chilli Con Carne“ gegessen. Und was soll ich sagen? Das war eine schnöde Erasco-Bohnensuppe mit hackfleisch-ähnlichen Brocken drin. Aber auf der Karte klang das vorher super.

Apropos Nibelungen-PK in Berlin

Genauso super klang die Ankündigung von Ministerpräsidentin Malu Dreyer bei der Nibelungen-PK in Berlin. Die „kulinarischen Spezialitäten aus unserer rheinhessischen Heimat“ entpuppten sich jedoch als französischer Flammkuchen mit norwegischem Lachs. Womöglich wurde der seit 1950 in Deutschland ausgestorbene Lachs auch aus dem Rhein gefischt? Der größte Skandal war aber, dass es in der Bundeshauptstadt noch nicht einmal Alkohol bei der PK gab. Nicht etwa, dass ich darauf aus wäre, mich bei offiziellen Terminen zu besaufen, aber ich finde das Bild, das Berlin an diesem Tag abgegeben hat, war jämmerlich. Wie die Stadt des legendären Harald Juhnke so verkommen konnte, ist mir ein Rätsel. Bei Harald hätte es sowas nicht gegeben.

In diesem Sinne: PROST!
Ihr Bert Bims