Teil 96: Hotspot Worms

Ab 13. Januar 2021 wurde unser ohnehin schon beschauliches Städtchen am Rhein abgeriegelt wie vor einem Jahr Wuhan in China. In einer eiligst einberufenen Pressekonferenz (14. Januar) informierte unser OB darüber, dass Worms für die nächsten Wochen nachts nicht nur tot, sondern mausetot sein würde. Um darüber zu berichten und ein paar menschenleere Straßen zu filmen, trafen sich Journalisten aus ganz Deutschland und sorgten für die größte Menschenansammlung am Wormser Hauptbahnhof seit Ausbruch der Corona-Pandemie vor einem Jahr. In den folgenden Tagen wurden alle Ortsausgänge von Polizisten abgeriegelt, die akribisch jeden Autofahrer kontrollierten, ob er auch einen triftigen Grund hat, sich nach 21 Uhr noch auf den Straßen von Worms aufzuhalten. Trotz dieser massiven Polizeipräsenz in der gesamten Stadt wurde derweil der Netto Markt in der KW überfallen. Herbeigeeilte Beamten kamen leider zu spät, weil man gerade in der Fußgängerzone die Personalien eines Rentners überprüft hatte, dessen Maske unter die Nase gerutscht war. Mit einer behördlichen Ausgangssperre belegt und vom Bannstrahl der 15-km-Regel getroffen, saßen alle Wormser fortan zwischen 21 und 5 Uhr brav zuhause. Alle? Nicht alle. Bereits am zweiten Tag der Ausgangssperre fiel mir um exakt 21.03 Uhr auf, dass meine Zigaretten leer waren. Ein Lockdown ohne Nikotin? Undenkbar. Mir war klar, dass ich nun meine während einer Guerilla-Ausbildung in Nicaragua erworbenen Kenntnisse anwenden muss, um unbemerkt an den Zigarettenautomaten zu gelangen. In schwarze Klamotten gehüllt und bekleidet mit einer Mütze, bei der nur die Augen freilagen, machte ich mich auf den Weg. WICHTIG: Kein Licht im Treppenhaus, das könnte die Nachbarn aufscheuchen. Also seilte ich mich um Punkt 21.11 Uhr von meinem Balkon im vierten Stock direkt auf die Straße ab. Jetzt galt es nur noch, die knapp 100 Meter Luftlinie bis zum Zigarettenautomaten unbemerkt zu überstehen. Sobald ich auch nur von Weitem die Schweinwerfer eines Fahrzeuges erblickte, warf ich mich ins Gebüsch oder kletterte auf den nächstgelegenen Baum, denn wer sollte um diese Zeit noch unterwegs sein; außer der Staatsgewalt, die überprüft, dass ihre Bürger nach 21 Uhr auch wirklich keine Aerosole mehr in die frische Abendluft hauchen. Auch wenn meine Mission erfolgreich war und ich schon um 21.17 Uhr den nächsten Glimmstängel in den Mund stecken konnte, hier meine Warnung an alle Leser: Bitte nicht nachmachen!!! Eine derart brandgefährliche Aktion ist nur mit der entsprechenden Ausbildung im Untergrundkampf möglich. Außerdem wirkt sich Rauchen negativ auf die Fitness aus, wie ich auf dem Rückweg beim Hochklettern in den vierten Stock feststellen musste.

DIE OMINÖSE 15-KM-REGEL

Als wäre eine Ausgangssperre für einen Wormser nicht schon Strafe genug, fand auch noch die unsägliche 15-km-Regel Anwendung. Somit wurde auch noch den letzten Tagestouristen, die sich nach Worms verirren wollten, ein Riegel vorgeschoben. Polizist: „Was haben Sie hier zu suchen?“, Tourist: „Ich wollte mir nur mal diesen sagenumwobenen Wormser Kaiserdom anschauen.“ Polizist: „Verschwinden Sie sofort von hier, diese Stadt ist kontaminiert!“ Dabei war der zwischenzeitliche Inzidenzwert von 322 in erster Linie auf einen Corona Ausbruch in einigen Altenheimen und Pflegeeinrichtungen zurückzuführen. Das wusste auch unser OB und lehnte die vom Land vorgegebene 15-km-Regel zunächst wegen mangelnder Sinnhaftigkeit ab, um dann am nächsten Tag nach einem Telefonat mit den Gesundheitsexperten des Landes zurückzurudern. Zwar habe er sich in dem Telefonat vehement gegen diese Maßnahme gewehrt, fast zwei Minuten lang, aber dann doch klein beigegeben. Machen wir uns nix vor, Kessels Vorgänger Kissel hätte so laut durch den Hörer gebrüllt, dass dem Gesundheitsfuzzi vom Land die Hörmuschel durch sein vermieftes Beamtenbüro geflogen wäre. Dagegen ist Kessel jemand, der eher das persönliche Gespräch sucht, um andere zu überzeugen. Bei einem „vertraulichen Vier-Augen-Gespräch“ hat ein im Nahkampf bestens ausgebildeter Ex-Cop natürlich die Argumente auf seiner Seite (Dass er auch noch seine ehemalige Dienstwaffe unterm Jackett trägt, kann ich nur vermuten). Machen wir uns nichts vor: Da in Corona Krisenzeiten kaum noch persönliche Gespräche stattfinden, wird ein Oberbürgermeister wie Adolf Kessel zwangsläufig seiner größten Stärke beraubt. Ich verlange deshalb, dass man seinen Vorgänger Kissel während der Corona-Pandemie als „Not-OB“ einsetzt. Allerdings erst ab einem Inzidenzwert von 2.000.

REIN IN DIE VENEN

Was mich an der ganzen Sache wundert, ist die Hörigkeit, mit der Bürger auch noch die unsinnigsten Corona Maßnahmen kommentarlos umsetzen. Neulich habe ich scherzhalber zu einem Bekannten gesagt: „Man sollte allen Menschen mit der Impfung gleich noch einen Chip einpflanzen, damit man sie zukünftig besser kontrollieren kann.“ Und was antwortet der? „Ja genau, das wäre die beste Lösung…“ Ich bin kein Verschwörungstheoretiker und habe auch keine Angst, so wie vor zwei Monaten an dieser Stelle behauptet, dass mir nach der Impfung ein drittes Auge wächst, denn das kann auch durchaus Vorteile bringen („Mit dem Dritten sieht man besser“). Viel schlimmer wäre für mich, wenn sich die Impfung negativ auf meine Potenz auswirken würde und ich vertraue deshalb den Worten unserer Regierung, dass es in Deutschland zu keiner Impfpflicht kommen wird. Besonders freue ich mich, dass sich endlich auch mal unser Außenminister Maas zu diesem Thema geäußert hat. Seine Forderung, kurzgesagt: Alle Ungeimpften haben fortan kein Recht mehr auf Grundrechte. Wer sich jedoch impft, kriegt seine Grundrechte zurück. Sie merken also, es gibt auch noch gute Nachrichten in diesen verrückten Corona Zeiten.

Ihr Bert Bims