Sagen Sie mal, Herr Bims?

, , Kommentar schreiben

Teil 78: Die Wormser GroKo

Im Bund gilt sie längst als Auslaufmodell“, aber in Worms ist sie nach wie vor der letzte heiße Scheiß. Die Rede ist von der GroKo. Ich höre Sie deshalb schon wieder zu Tausenden fragen: „Sagen Sie mal, Herr Bims, was dürfen wir denn von der „neuen“ GroKo im Wormser Stadtrat erwarten?“

Liebe Lesenden,

Sie sind vollkommen zu Recht sauer über die erneute Zusammenarbeit zwischen CDU und SPD im Wormser Stadtrat. Ausgerechnet die beiden Parteien, die bei der Kommunalwahl die meisten Wähler verloren haben, „regieren“ weiterhin gemeinsam in Worms. Und deswegen haben wir extra den Kissel abgewählt, damit sich anschließend auch unter Kessel nix ändert? Anscheinend ist der Unterschied zwischen einem „e“ und einem „i“ doch nicht so groß. Zugegeben: Das Ganze erinnert ein wenig an „Raider heißt jetzt Twix – geändert hat sich nix“. Denn auch ich habe bei der Kommunalwahl ganz wild kumuliert und panaschiert, damit endlich mehr Visionäre in den Wormser Stadtrat kommen. Zum Beispiel der komische Vogel links von mir. Aber was nützen junge, fortschrittlich denkende Leute im Stadtrat, wenn die Politik doch wieder von den immer gleichen alten Männern bestimmt wird? Vor der OB-Stichwahl haben die Grünen heftig mit dem neuen OB geflirtet, aber die jetzigen Koalitionsverhandlungen hat dann doch wieder die altbekannte Führungsriege der CDU, „K-K-K“ (nicht zu verwechseln mit Ku-Klux-Klan) alias „Kessel-Karlin-Kosubek“, persönlich übernommen und schnell festgestellt: „Besser den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach.“ Und so bleibt es doch bei der nun schon mehr als drei Jahrzehnte andauernden Liaison. Wie bei einem langjährigen Paar, das sich vor wenigen Wochen noch öffentlich bekriegt hat und schon längst weiß, dass irgendwann eine Trennung unvermeidlich wird, aber trotzdem noch mal einen Neuanfang wagt. Hierzu ein wenig Statistik: Eine Ehe hält heutzutage im Durchschnitt 15 Jahre. Die hat die Wormser Groko schon längst rum. Aber es gibt noch Hoffnung, denn jede sechste Scheidung erfolgt erst nach mehr als 25 gemeinsamen Ehejahren. CDU und SPD werden sich aber vermutlich erst dann trennen, wenn die Sozialdemokraten nur noch unter „Sonstige Parteien“ geführt werden. Also schon bald, die goldene Hochzeit wird die Wormser GroKo wohl nicht mehr erleben. Eine Zusammenarbeit mit den Grünen war der CDU zu riskant, weil die ja bei jedem Scheiß erst ihre Basis befragen. Das widerspricht allerdings der bisherigen Praxis, nach der Politik in Worms nur von einigen wenigen Lokalgrößen in einem Hinterzimmer des Rathauses beschlossen wird.

Immerhin hat sich die SPD mittlerweile von ihrem Helden im Bundestag, Marcus Held, distanziert. Wohlgemerkt: Mit zwei Jahren Verspätung. Da fragt man sich schon, ob die SPD tatsächlich zwei Jahre gebraucht hat, um – vielleicht sogar in unserem Magazin – nachzulesen, was ihr Immobilienfachmann aus Oppenheim alles verzapft hat? Schließlich hat man sich auch die Zeit genommen und kurz vor der Bundestagswahl noch eine Plakatkampagne „Wir mit Marcus Held!“ gestartet, als die Vorwürfe, die demnächst zur Anklage führen, schon längst auf dem Tisch lagen. Aber dazu müsste man ja unser Magazin lesen. Im Übrigen gibt es auch heute noch regionale SPD-Politiker, die meinen, man müsste erst das Gerichtsurteil abwarten, bevor man den Stab über dem Oppenheimer Betrüger bricht. Deshalb nochmal in Kurzfassung für unbelehrbare Sozialdemokraten: Euer Held hat – neben vielen anderen unsauberen Geschäften – bei städtischen Immobiliengeschäften eine ganze Menge unrechtmäßig gezahlte Maklerprovisionen auf die Konten von Freunden verfrachtet, die wiederum brav an die SPD gespendet haben. Warum braucht man denn dazu noch ein wohlwollendes Gerichtsurteil, das der Jurist Held sowieso vorab mit der Staatsanwaltschaft ausgehandelt hat? In den Knast wird jemand mit Helds Kontakten wohl kaum müssen, ein richterlich angeordnetes Einreiseverbot für unsere Stadt würde mir schon reichen. Hauptsache, der Schmierlappen läuft mir in Worms nicht mehr über den Weg….

Bis zum nächsten Mal,
Ihr Bert Bims