Neues aus dem Domhof und dem Gerberquartier
TIMBRA Group stellt Pläne zu bevorstehenden Bauvorhaben vor

Seit vielen Jahren stehen die beiden Immobilien in der Wormser Innenstadt symbolisch für eine Stadt im Stillstand. Pläne gibt es seit vielen Jahren für die beiden Flächen, doch umgesetzt wurde bisher nichts. Doch das soll sich in diesem Jahr ändern.
Der Wunsch der Stadt ist klar umrissen, nämlich zwischen WillyBrandtRing und Andreasstraße ein touristisches Zentrum zu etablieren. Während sich im ehemaligen Gebäude des Hochstift Krankenhauses zumindest in einem Gebäudetrakt ein stationäres Hospiz und die Volkshochschule niederließen, wird die Andreasstraße durch zwei dominante Leerstände geprägt. Nachdem das Mauritius Ende 2024 aus dem Eichbaum Stammhaus auszog und der Namensgeber sich ebenfalls zurückzog, war guter Rat teuer und damit einhergehend die Frage, wie es an dieser prominenten Stelle weitergehen soll? Ideen gibt es zwar, aber die sind derzeit noch weit von einer Umsetzung entfernt und dürften noch zu der einen oder anderen Diskussion führen. Deutlich konkreter entwickeln sich die Dinge allerdings in Bezug auf das ehemalige Gesundheitsamt, das bereits seit mehr als einem Jahrzehnt ein trauriges Dasein fristet.
Bereits vor knapp zehn Jahren fasste der Stadtrat den Plan, eine Konzeptvergabe zu starten. Doch so richtig in die Gänge kam das Projekt erst, als ein paar Kilometer weiter das geplante Bauvorhaben Salamandergelände finanziell aus den Fugen geriet. Die rettende Idee kam von dem Wormser Unternehmer TIM BRAUER, der bereits seit einigen Jahren an dem Standort in der Andreasstraße interessiert war und dementsprechend konkrete Pläne vorweisen konnte. Es war die Geburtsstunde des Domhofs. Ende März wurden die Pläne im Bau und Mobilitätsausschuss der Öffentlichkeit vorgestellt und die Reaktionen waren überwiegend positiv. Bereits im Oktober 2025 wurden im Stadtrat die Weichen dafür gestellt, zugleich ist der Domhof Teil des sogenannten Ringtauschs. Dieser entstand, nachdem klar war, dass das ambitionierte Bauvorhaben auf dem Salamandergelände finanziell deutlich teurer werden würde. Dort wollte die Stadt unter anderer ein „Technisches Rathaus“ errichten. Doch dann zog man die Notbremse, während der Raumbedarf für die Verwaltung immer noch vorhanden war.
Ringtausch macht den Weg frei
Der Ringtausch sieht nun vor, dass dieser Teil der Stadtverwaltung in das aktuelle Gebäude der Hauptsparkasse ziehen wird. Aufgrund eines gesunkenen Raumbedarfs zieht wiederum die Sparkasse an den Standort in der Andreasstraße. Das Gebäude, das zuvor von der TIMBRA Group gemeinsam mit der Rheinhessen Sparkasse gekauft werden soll, wird wiederum aufgrund der maroden Bausubstanz abgerissen. Wie Brauer im Gespräch mit WO! erklärt, könnte das noch in diesem Jahr der Fall sein. Geplant ist ein historisierter Bau, der stilistisch an das
Domumfeld angepasst wird. Die geplante Neubebauung geht in der Firsthöhe generell über den Bestandsbau hinaus. Während das aktuelle Gebäude über drei Etagen verfügt, soll der Neubau mit vier Etagen ein wenig höher ausfallen. Vorgesehen ist eine Mischnutzung aus Sparkasse, Gastronomie und Wohnungen.
Wie Brauer erklärt, sind rund 15 Wohnungen vorgesehen. Während der Zugang zur Sparkasse über die Ecke Andreasstraße, Dechaneigasse erfolgt, soll die Gastronomie zwischen Dechanei und Seminariumsgasse angesiedelt werden. Um eine bessere Außenbestuhlung zu gewährleisten, wird der Gehweg verbreitert werden. Der Innenhof, der im Moment als Parkfläche genutzt wird, soll – unter Berücksichtigung notwendiger Stellplätze – großflächig entsiegelt und begrünt werden. Das hat natürlich zur Folge, dass sich die Bauherren an anderer Stelle um Parkmöglichkeiten umschauen müssen. Aufgrund des historischen Bodens unterhalb des ehemaligen Gesundheitsamtes hat man sowohl Tiefgaragen als auch Kellerräume schon mal verworfen. Ideen gibt es dennoch, aber das sind im Moment eben nur Ideen. Was die Planungen angeht, so ist es Brauer wichtig zu betonen, dass diese in enger Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde getroffen werden. Geplant ist ein Investitionsvolumen von rund 45 Millionen Euro.

Tim Brauer, Stephanie Lohr und Tina Dobiasch stellen Pläne für Gesunheitszentrum vor
Ein Gesundheitszentrum für Worms
Ein Teil des Ringtauschs bezieht sich zudem auf das Gerberquartier, einst die Heimat des NibelungenCenters. Das Projekt, das ebenfalls seit rund zehn Jahren nicht in die Gänge kommt und stattdessen durch die Hände zahlreicher Investoren wanderte, soll ebenfalls in diesem Jahr seinen Spatenstich erleben. Zwar ist das Gelände aktuell noch im Eigentum von Ehret und Klein, doch auch das soll sich schon in den nächsten Wochen ändern. Wie Brauer bei einem Pressegespräch berichtet, sei man sich weitestgehend einig. Wie bereits bekannt, soll auch hier eine Mischnutzung entstehen. So möchte an dieser Stelle immer noch die Hotelkette B & B bauen. Geplant sind 107 Zimmer. Ebenso sind ca. 100 Wohnungen geplant, während Brauer zudem ein Bürogebäude plant, in dem ebenfalls die Verwaltung unterkommen soll. Neu ist wiederum die Idee eines Gesundheitszentrums für Worms. Neben klassischen Hausarztpraxen, sollen dort auch Fachärzte, Apotheken, Sanitätshäuser, Reha Einrichtungen und ein ambulantes OPZentrum eine Heimat finden. Gerade in Zeiten akuten Ärztemangels ist das ein spannendes Projekt. So erklärte Stephanie Lohr zu Beginn der Präsentation, dass im Moment alleine 9,5 Hausarztstellen in Worms unbesetzt sind.
Mit dem Gesundheitszentrum hoffen nun alle Beteiligten, nicht nur Wormser Bestandsärzte für das Zentrum zu gewinnen, sondern dass man auch junge Ärzte nach dem Studium dazu bewegen kann, sich in Worms niederzulassen. Dr. Claudia Dupuis, die im Ärztehaus Liebenauer Feld praktiziert, erklärt, dass man aus diesem Grund schon seit Jahren eng mit den Universitäten in den umliegenden Städten zusammenarbeite und einmal im Jahr zu einem großen Ärztetag einlade. Wobei sie zusätzlich unterstreicht, dass durch einen Umzug von Bestandsärzten womöglich die zukünftigen Räume auch zu mehr Kapazitäten führen. Verantwortet wird dieses Projekt durch die TIMBRA Group und das Architekturbüro DEIBERT. Unterstützung in der Konzeption, Planung und Durchführung bekommen sie durch das Wormser Gesundheitsnetz (WoGe) und die Wirtschaftsförderung der Stadt Worms. Da für das Gerberquartier bereits eine Baugenehmigung vorliegt, könnten die Bauarbeiten bereits im Sommer beginnen und schon 2028 abgeschlossen sein.
Text: Dennis Dirigo Visualisierung: Architekturbüro Deibert Foto: Andreas Stumpf




Dennis Dirigo



