DAS GEWALTIGE ERBE VON MARTIN LUTHER

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Stadt Worms präsentiert Ausstellungskonzept „Hier stehe ich. Gewissen und Protest - 1521 bis 2021“

Es soll für Worms 2021 ein Kulturereignis werden, das Menschen aus Nah und Fern in die Nibelungenstadt locken soll, um das andere historische Erbe kennenzulernen, nämlich Martin Luther und seinen Auftritt vor dem Reichstag im Jahre 1521.

Es waren gerademal zwei Tage, an denen er dem Kaiser Rede und Antwort stehen musste, die aber dennoch das Gesicht der christlichen Welt bis heute veränderten. Ab dem 17. April (bis 31. Oktober) widmet sich die Landesausstellung „Hier stehe ich. Gewissen und Protest – 1521 bis 2021“ diesen Tagen und deren Auswirkungen bis in die Gegenwart. Seit einiger Zeit wird hierfür das Städtische Museum im Andreasstift einer Generalüberholung unterzogen sowie ein Kreuzgang rekonstruiert, um zusätzlich Fläche zu gewinnen. Bekanntermaßen können aus Kostengründe derzeit die beiden oberen Stockwerke nicht saniert werden, sodass sie für die Ausstellung nicht zur Verfügung stehen. Nachdem lange Zeit nichts inhaltliches über die geplante Ausstellung zu hören war, stellte nun der Ausstellungskurator und Leiter der Wormser Museen, Dr. Olaf Mückain, im Kulturausschuss am 27. Mai die aktuellen Planungen vor und mit welchen Ausstellungstücken zu rechnen ist.

Was passierte 1521?
Das zukünftige Entree des Museums befindet sich ab kommenden Jahr am Weckerlingplatz, lediglich der barrierefreie Zugang wird weiterhin am altbekannten Eingangstor sein. In der Andreaskirche erwartet die Gäste zunächst die historische Erläuterung der Ereignisse. Großflächige Stelen informieren über wichtige Personen und Begriffe, während im Kirchenchor geplant ist, die Geschehnisse darzustellen. Inseln mit prägnanten Momenten und Medieninstallationen sollen zusätzlich die Sinne verwöhnen. Ferner sollen auch Informationen zu Themen wie „Luther im Film“ oder „Luther in der Kunstgeschichte“ ansprechend aufbereitet werden. Historische Exponate wie Reichskleinodien Kaiser Karl des V. und ein Schreibset aus glasierter Keramik, mit dem Luther schrieb (eine Leihgabe aus Halle), sollen zudem die Zeit greifbar machen. Von der Andreaskirche geht es in die Schatzkammer. Dort präsentiert man eine Nachbildung des Wagens, mit dem Luther Worms verließ. Geliehen wird dieser von der Luther-Stadt Wittenberg. Der Braunschweiger Stellmacher Theo Malchus baute den Wagen in Handarbeit für eine Ausstellung in Wittenberg nach. Des Weiteren möchte man eine handschriftliche Aufzeichnung Luthers in Worms sowie eine Kopie der berühmten „Luther-Bibel“ präsentieren.

Fragen des Gewissens und des Protests
Thematischer Mittelpunkt der Schatzkammer ist die „Widerrufsverweigerung“. „Einen sinnlichen, akustisch-optischen Wechsel von der Schatzkammer in den „Weißen Saal““, verspricht Mückain und erklärt, dass dort „Gewissen und Protest nach Luther“ inhaltlicher Schwerpunkt ist. Von hier aus geht es in den früheren Sitzungssaal des Altertumsvereins. Im Vordergrund steht dort die Entwicklung im 18. und 19. Jahrhundert am Beispiel der französischen Revolution oder der Aufklärung. Im Turmzimmer der zeitlich chronologisch angelegten Ausstellung widmet sich diese dem 20. Jahrhundert. Schwerpunkte sind der Nationalsozialismus, Martin Luther King, aber auch die politische Entwicklung in Südafrika. Dort präsentiert man u.a. ein Faksimile von Martin Luther King sowie eine speziell präparierte Bibel für Nelson Mandela, in deren Innern sich ein eingeschnitztes Profil für eine Pistole befindet. Die wurde seiner Frau Winnie als Drohung übergeben. Ebenso befindet sich in diesem Saal die original Anklageschrift gegen Sophie Scholl. Zusätzlich soll an dieser Stelle die Ausstellung durch popkulturelle Verweise, wie beispielsweise der Musik von Stevie Wonder, aufgelockert werden. Im Kreuzgang Ost werden schließlich die friedlichen Proteste in der DDR thematisiert und im Kreuzgang Nord finden die Besucher zum Ausklang des Rundgangs einen Lesesaal. Neben ausgewählter Literatur sollen Gewissensfragen der Gegenwart zum Nachdenken einladen. So setzt sich die Ausstellung dort mit „Künstlicher Intelligenz“, aber auch alltäglichen Konflikten wie das Ringen um unser Klima, Ernährung oder Gesundheit auseinander.

Moderne Inszenierung auch fürs Auge
Zufrieden mit dem Ergebnis betonte der verantwortliche Dezernent Kosubek, „dass man am ganz großen Rad drehe“ und man sich an Themen wage, die den meisten Ausstellungen während der eigentlichen Luther-Dekade zu kompliziert waren. Kosubek räumte aber auch ein, dass die Suche nach dem richtigen Konzept nicht immer einfach war. So sei der ursprüngliche Ansatz zu statisch gewesen, weswegen man die Ausstellung um das Thema „Protest“ ergänzte. Letztlich seien die 1,5 Millionen Euro Ausstellungskosten sinnvoll angelegt, so Kosubek. Hinzu addieren sich Fördergelder der evangelischen Kirche Hessen-Nassau (100.000 Euro), vom Land (250.000 Euro) und beantragte Fördergelder vom Bund (200.000 Euro).

Während der Inhalt der Ausstellung von einer Expertengruppe gestaltet wurde, obliegt die Inszenierung der Ausstellung der Berliner Agentur „neo. studio neumann schneider architekten“, die schwerpunktmäßig an Konzeptions-, Gestaltungs- und Planungsaufgaben im Kontext mit musealen Ausstellungen arbeiten. Bei einer Präsentation 2019 erklärte Projektleiter Tobias Neumann zur Wormser Ausstellung: „In der Andreaskirche – in die auch Kasse, Shop und Garderobe integriert werden sollen – wollen wir beispielsweise Inselmodule mit großflächigen Grafikträgern einsetzen. Diese können als Objektträger von 3D-Statistiken, Exponaten oder Medienstationen dienen.“ Wichtig ist Neumann, dass einzelne Module nach Ende der Ausstellung wiederverwendet werden können. Zuvor bereitet dem Wormser Stadtrat allerdings ein ganz anderes Thema noch Kopfzerbrechen, nämlich das Corona-Virus. Hans Peter Weiler (CDU) fragte dementsprechend, ob man in den Planungen dies berücksichtigt hätte. Mückain erläuterte, dass man derzeit in Erwägung ziehe, kontaktlose Varianten zu prüfen, sodass Berührungen an einem Touchscreen Bildschirm vermieden werden können. Um ein zu großes Besucheraufkommen zu vermeiden, werde man mit einem Führungssystem arbeiten. Museumsverwaltungsleiterin Ulrike Breitwieser ergänzte, dass eventuell nach einem Anmeldesystem Einlass gewährt werden könne. Um die Landesausstellung bekannt zu machen, möchte man zusätzlich zur üblichen Plakat- und Anzeigenwerbung, auch Social Media Kanäle nutzen.

Näheres wurde hierzu noch nicht präsentiert.
Preise und Öffnungszeiten finden Sie unter: www.worms.de