Das Satiremeisterstück des Monats:

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Die Terence-Hill-Brücke

Das hätte sich Peter Englert – Schauspieler, Sänger bei den Döftels sowie Kolumnist und selbst ernannter „Depp vom Dienst“ bei unserem WO! Magazin – niemals gedacht, dass diese Geschichte solche Ausmaße annehmen würde. Was anfangs als harmloser Joke gedacht war, entwickelte irgendwann ungeahnte Dimensionen. Seit dem Wormser Backfischfest spricht jeder nur noch von der Terence-Hill-Brücke, die doch „eigentlich“ Karl-Kübel-Brücke heißen sollte, hätte der Wormser Oberbürgermeister Kissel nicht sein Wort gebrochen. Gegenüber einem WO!-Mitarbeiter? Unverzeihlich…

Und das kam so: Als Peter Engert im letzten Jahr spät in der Nacht im Zuge seines Backfischfestblogs Oberbürgermeister Kissel das Mikro unter die Nase hielt und ihm das Versprechen entlockte, dass er zusammen mit dem OB im kommenden Jahr die neue Brücke einweihen dürfe, da war das eine Zusage, die man durchaus als juristisch haltbar bezeichnen kann. Die Vereinbarung wurde zudem noch, wie unter Männern üblich, per Handschlag besiegelt und korrekt gefilmt. Auch wenn Kissel zu diesem Zeitpunkt bereits etwas ins Mikro gesäuselt hat, weil er mutmaßlich dem köstlichen Rebensaft der Wormser zugesprochen hatte, gilt das nicht als Ausrede. Bekanntlich sagen Betrunkene und Kinder immer die Wahrheit, also gilt das auch für einen OB. Gesagt, getan? Von wegen. Über Umwege musste ein vollkommen schockierter Englert erfahren, dass Kissel – quasi hinter seinem Rücken – längst eine Brückeneinweihung mit dem merkwürdigen Namen „Karl-Kübel-Brücke“ geplant hatte. Wohlgemerkt: Ohne ihn. Kurzerhand trommelte Englert sein Kamerateam vom Backfischfestblog zusammen und weihte eine Stunde vorher die Brücke selbst ein – auf den zunächst merkwürdig anmutenden Namen: Terence-Hill-Brücke. Englert korrigierte damit einen schwerwiegenden Fehler des Wormser Stadtrates, der eine Brücke, die in erster Linie die Funktion hat, die Fußgänger zum Backfischfest und wieder zurück zu transportieren, allen Ernstes Karl-Kübel-Brücke nennen wollte. Bei allem Respekt vor dem Unternehmer Kübel, der als Chef von 3-k-Möbel Arbeitgeber vieler Wormser war und als sehr sozial galt, aber das ging gar nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass Besucher des Backfischfestes die neue Brücke dazu nutzen könnten, darauf oder noch schlimmer runter zu „kübeln“, wäre einfach zu groß. Kissel selbst meinte zu seinem Fauxpas, das Team des Backfischfestblogs nicht zur Einweihung eingeladen zu haben, dass nur Honoratioren der Stadt, die nicht dem Alkohol zusprechen würden, eingeladen waren. Dem vollkommen verdutzten Englert gegenüber legte der OB nach: „Ihr steht doch schon wieder unter Strom.“ Danach lud Englert das Skandalvideo bei Facebook hoch und kümmerte sich um seinen Schauspieljob bei den Bad Hersfelder Festspielen. In den folgenden Stunden verbreitete sich das Video in rasanter Geschwindigkeit im Netz und hatte bis zum Monatsende mehr als 82.400 Aufrufe. Anscheinend hatte Englert damit einen Nerv getroffen, auch wenn immer öfters die Frage auftauchte: „Hä? Wieso Terence-Hill-Brücke?“ Wie sich das für ein journalistisch anspruchsvolles Blatt gehört, haben wir auf unserer Facebook-Seite, einen Tag vor dem Beginn des Backfischfestes, die Erklärung nachgeliefert, warum ausgerechnet Terence Hill, der Partner von Bud Spencer, als Namensgeber fungieren solle. Kurz erklärt: In den Jahren 1966 und 1967 entstand der Spielfilm-Zweiteiler „Die Nibelungen“, aus dem die beiden Filme „Siegfried von Xanten“ (1966) und „Kriemhilds Rache“ (1967) resultieren. In beiden Filmen spielte als Giselher ein gewisser Mario Girotti mit, der Jahre später als Terence Hill große Erfolge an der Seite von Bud Spencer feierte. An letzteren erinnerte man sich auch, als es um einen Namensgeber für die Brücke in Worms ging. Vor fünf Jahren ging nämlich die Geschichte durch die Medien, dass ein idyllisches Städtchen im Remstal sein Schwimmbad nach Bud Spencer benannt hatte, mit der absurden Begründung, dass dieser 1951, damals noch als Carlo Pedersoli, bei einem Länderkampf ein paar Bahnen für Italien in eben jenem Schießtal-Bad, das deswegen seit 2011 „Bud-Spencer-Bad“ heißt, in Schwäbisch-Gmünd geschwommen ist. Da auch Terence Hill im Zuge des Nibelungenfilms schon einmal in Worms war, nämlich zu einer Autogrammstunde im Roxy-Kino zusammen mit anderen Stars des Films, dürfte diese Begründung wohl absurd genug sein, eine Brücke in Worms nach ihm zu benennen. Weil Terence Hill zudem niemals sein Wort brechen würde, sollte der neue Name als Mahnmal täglich daran erinnern, wie wichtig Verlässlichkeit im allgemeinen Miteinander ist. Danke Kissel!!!

DIE SACHE KOMMT IMMER MEHR INS ROLLEN
Dass irgendwelche Idioten, die nicht die Grenze zwischen Spaß und Sachbeschädigung kennen, ein paar Graffitis an der neuen Brücke anbrachten, war zwar für alle Seiten ärgerlich. Aber da die Jungs vom Backfischfestblog noch am gleichen Tag mit Malermeister Timo Kramer einen Fachmann auftreiben konnten, der kostenlos die Schmierereien entfernt hat, war das schnell vergessen. In der Zwischenzeit fand am Backfischfestsamstag ein Flashmob zum Terence-Hill-Brückenfest mit knapp 250 Leuten statt, die standesgemäß mit Schildern und Transparenten das neue Brückenwerk feierten und Hunderte Selfies machten mit dem extra angebrachten Brückenschild aus Eisen oder dem Westernhelden, der als Pappkamerad ebenfalls anwesend war. Eine online eingereichte Petition an den OB der Stadt Worms, die Brücke offiziell in Terence-Hill-Brücke umzubenennen, hatten bis Redaktionsschluss 663 Personen unterschrieben. Neben lokalen Medien wurden auch überregionale Radiosender wie FFH oder Radio Regenbogen auf die Brücke mit dem ungewöhnlichen Namen aufmerksam und luden Peter Englert ins Studio ein, um darüber zu berichten.

Übrigens: Kurz vor Redaktionsschluss ist es am Rande der Fischerwääder Kerb zu einem erneuten Zusammentreffen zwischen Backfischfestblogger Englert und OB Kissel gekommen, der sich die ganze Zeit über auffällig ruhig verhalten hatte. Der bekannte, dass er die Aktion lustig fand, räumte aber freimütig zwei Dinge ein: Zum einen dürfe ein Bauwerk nur nach bereits verstorbenen Personen benannt werden. Zum anderen habe die Stadt gar nicht, wie von vielen vermutet, das Eisenschild mit der Aufschrift „Terence-Hill-Brücke“ entfernen lassen. Das ist von einem Souvenirsammler schlichtweg geklaut worden. Ob mit offiziellem Schild oder ohne: Diese Fußgängerbrücke hat bei den Wormsern ihren Namen längst weg – und wir reden hier nicht von Karl Kübel Brücke.