Die Demokratie war männlich

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Nach der Kommunalwahl 2019 waren Frauen im Wormser Stadtrat deutlich unterrepräsentiert

Am 9. November 1919 durften die Wormserinnen erstmals an einer Kommunalwahl teilnehmen. Damals gelang es vier Frauen, in den Stadtrat gewählt zu werden. Hundert Jahre später sind es zwölf Frauen, die es bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 in den Wormser Stadtrat schafften. Dies zeigt deutlich: Gleichberechtigung ist noch lange nicht erreicht und insbesondere in der Kommunalpolitik sieht es schlecht aus.

Der aktuelle Frauenanteil im Wormser Stadtrat beträgt 25 Prozent und ist so niedrig wie in keiner der anderen kreisfreien Städte in Rheinland-Pfalz. Worms ist im Vergleich somit Schlusslicht. Beispielsweise weist Mainz einen Frauenanteil von 45 Prozent auf, Kaiserslautern liegt bei 41 Prozent und Frankenthal bei 36 Prozent.

„Parlamente sind Orte der politischen Willensbildung und nur, wenn Frauen mitentscheiden können, werden ihre Interessen auch gehört. Mit so einem niedrigen Frauenanteil besteht die Gefahr, dass Kommunalpolitik von Männern für Männer gemacht wird“,

erklärt Gleichstellungsbeauftragte Melanie Schiedhelm die Schwierigkeit dieser massiven Unterrepräsentanz. Schaut man genauer hin, wird deutlich, dass keine der im Stadtrat vertretenen Parteien gleichviele Frauen und Männer entsendet. Die SPD belegt vierzehn Sitze im neuen Stadtrat, wovon lediglich zwei an Frauen gehen und das, obwohl die ersten acht Plätze der Wahlliste abwechselnd mit Männern und Frauen aufgestellt waren. Die CDU besetzt immerhin sechs der fünfzehn gewonnenen Sitze mit Frauen. Die Grünen ziehen mit acht Sitzen in den neuen Stadtrat ein, wovon drei an Frauen gehen. Die AfD hat eine Frau in ihren Reihen, ebenso wie die FWG Bürgerforum. Bei Linkspartei, FDP und der Freien Liste Pfeddersheim sind gar keine Frauen vertreten.

Die Gründe, warum es 2019 so wenige Frauen in das Wormser Kommunalparlament geschafft haben, sind vielfältig und sollten für die Parteien Ansporn genug sein, noch mehr Frauen für Politik zu begeistern. Vor allem aber sind sie das Ergebnis einer demokratischen Abstimmung, bei der die Wählerinnen und Wähler den männlichen Kollegen offensichtlich mehr zugetraut haben.