Jims Kulturecke

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Man muss die Feste feiern, wie sie fallen!

In Worms wird viel gefeiert, ob Jazz & Joy, Backfischfest oder zu guter Letzt der „Nibelungen-wie-auch-immer-Weihnachtsmarkt“. Die Anwohner fühlen sich durch die dauerhafte Lärmbelästigung gestört und der Einzelhandel hätte gerne etwas mit ein bisschen mehr Nachhaltigkeit. Aber welches Fest würde denn tatsächlich noch fehlen in Worms?

Wie oft hört man es gerade von älteren Wormsern:
„Wir wollen das Starefest zurück!“. „Was war das eigentlich?“, werden sich gerade die Jüngeren fragen. Als Kurzfassung könnte man sagen, eine Art Festival in der Innenstadt im Bereich Obermarkt und Kämmererstraße mit Bühnen und Livemusik, welches im Laufe der Jahre ein wenig aus dem Ruder lief und zuletzt hauptsächlich durch Schlägereien Schlagzeilen machte. Kürzlich hatte „Die Linke“ im Stadtrat eine Wiedereinführung unter dem Titel „Worms Tag“ ins Gespräch gebracht. Eine Variante, die die vielen Stände des Rheinland-Pfalz Tages aufgreifen soll. Also einfach wieder das Starefest einführen, Innenstadt beleben, Anwohner ignorieren und los geht’s? So einfach ist es dann doch nicht.

Warum eine Wiederbelebung des Starefests kaum durchführbar wäre:
Das größte Problem wäre schon mal, einen geeigneten Termin zu finden. Wo sollte es in den warmen Monaten zwischen April und Oktober denn noch hin? Erst kommt „Worms blüht auf“, dann der Pfingstmarkt, die Kulturnacht, die Festspiele, Jazz and Joy und das Backfischfest. Dazwischen Marktwinzer, Weinstrand 443 und erstmals in diesem Jahr am 29.06. ein „Mallorca on Tour“ Festival mit Captain Jack und Mia Julia. Zusätzlich fallen in den Herbst dann auch noch die privaten Veranstaltungen vom Pop-Up-Festival und dem sehr erfolgreichen Oktoberfest auf dem Festplatz. Es dürfte also sehr schwer werden, hier noch die passende Lücke zu finden. Ein weiteres Problem werden die Anwohner sein, denn nicht jeder ist begeistert, dass vor seiner Haustür ständig eine „Halli-Galli-Drecksau-Party“ stattfindet. Gerade im Dombereich stecken hier die Gespräche mit den Anwohnern in einer Art Sackgasse, wie etwa die Transparente erkennen lassen, die man dort gelegentlich findet. Bleiben aber immerhin noch die lange Einkaufsnacht und die verkaufsoffenen Sonntage, um die Innenstadt nachhaltig zu beleben. Hier ist von Seiten des Stadtmarketings immer wieder zu lesen, das Pop-Up-Festival in einen verkaufsoffenen Sonntag mit zu integrieren. Kommt das?

Was kann das Pop-Up wirklich?
Es bleibt einfach die Frage, ob das Pop-Up-Festival das überhaupt möchte und von den Massen angenommen werden würde. Zwar hat das Festival Größen wie Wigald Boning oder die Titanic Boygroup nach Worms gelockt, allerdings bleibt es, und das will es vielleicht auch, ein Nischenfestival. Ein komplettes Programm, um die „Massen“ eines solchen Shoppingtags zu gewinnen, benötigt viele Ressourcen und Manpower. Hier fehlen bisher einfach die Gespräche und genaue Initiativen, wie man so etwas in der heutigen Zeit (Stichwort: Sicherheit) überhaupt noch finanzieren will.

Ein „echtes“ Festival für Worms?
Bliebe vielleicht noch die Idee eines „richtigen“ Festivals, das seinen Fokus hauptsächlich auf junge Leute legt. Im Gegensatz zu den umliegenden Gemeinden, die zum Beispiel das Hammer Open Air, Rock im Hinterland oder auch das Open Ohr bieten können, hat Worms kein Festival in einer coolen Location – am besten mit angegliedertem Camping – zu bieten. Vielleicht birgt das aber eine Idee und eine Chance für junge Veranstalter aus den Bereichen Rock, Metal oder Electro. Einzig die Verwaltung müsste zu einer Kooperation bereit sein. Bisher ist alles nur ein Traum, aber einer der sich verwirklichen lässt. Versuche mit dem Wormstock und dem Apostel Open Air gab es schon, allerdings ohne Campingmöglichkeiten. Eins steht jedenfalls fest, die Wormser können feiern und nutzen dazu auch jede sich bietende Gelegenheit…