Jims Kulturecke

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Zwei Kanadier im Himmel
Konzert von Culture Reject bei Heaven Records am 11.04.

Die kanadische Band Culture Reject spielt ein spontanes Wohnzimmerkonzert bei Heaven Records und das habe ich mir mal aus der Nähe angeschaut…

CULTURE REJECT ist ein Projekt des kanadischen Singer/Songwriters Michael O’Connell, der mit seiner Lo-Fi Indie Musik irgendwo zwischen Devandra Banhart und Sufjan Stevens liegt. Dieser Michael O’Connell ist gerade mit dem Musiker Carli Howell, der an diesem Abend für passende Beats sorgte, und dem Lichtkünstler Dylan unterwegs, um in Europa ein wenig zu touren. Was macht man also zwischen den vielen Gigs an einem Donnerstag? Man besucht Worms und die Menschen von Heaven Records und begeistert mit emotional getriebenen Songs, die mit souliger Stimme, ein bisschen Weltmusik-Anleihen und ein paar elektronischen Synthie-Sounds irgendwie an die frühen Modest Mouse erinnerten. Zugegebenermaßen war der Besucherstrom im Heaven relativ spärlich, trotzdem kaufte jeder Gast nach dem knapp 45-minütigen Auftritt von Cultur Reject eine Platte. Das muss man erstmal schaffen. Die Band selbst hatte auch ihren Spaß und schwärmte von der kleinen Stadt Worms und ihrer großen Auswahl im Plattenladen.

Fazit: Schön. Ein Laden muss nicht mit 250 Menschen ausverkauft sein, damit ein Konzert nachhaltig in Erinnerung bleibt. Manchmal sind es eben auch die kleinen Wohnzimmergigs, die für beide Seiten unvergesslich werden. Gerne mehr davon!


Ein paar Busenfreunde sind nie verkehrt
Konzert von Infected World im BB on the Rockzz am 30.03.

Die CD-Releaseparty von Infected World im BB on the Rockzz war ein wenig anders. Aber kein Wunder, wenn es um ein Sextape geht.

Was braucht man für eine gelungene Rock’n’Roll Party? Man nehme 160 Besucher, drei Bands, ein bisschen Alkohol, eine kleine Prise Humor – und schon hat man ein gelungenes Fest. Ausverkauft war das BBs schon vorher und so drängten sich die Besucher in jede kleine Ritze des Kellers, um irgendwie die Bands sehen zu können. Die hatten ordentlich für diesen Abend aufgefahren und statteten die Bühne zusätzlich mit jeder Menge Movingheads und Stroboskopen aus, um die Besucher mit einer Lichtshow zu begeistern. Den Anfang machte die Band „Unbesiegt“, die sich vor allem durch gutes technisches Zusammenspiel auszeichnen konnte. Danach kam die Haus und Hof Band des BB on the Rockzz, „Colours of Autumn“, die sich mittlerweile in der regionalen Metalcore Szene einen Namen gemacht hat. Hier wurde dann auch ordentlich Stimmung in den Reihen gemacht. Im Anschluss folgten die Wormser „Infected World“, bei der im Publikum alle Dämme brachen und lautstark „Ich bin ein Busenfreund“ mitskandiert wurde.

Fazit: Man was hatten die alle Spaß. Ein schöner Beweis, dass es noch junge Wormser Bands gibt, die einen Laden ausverkaufen können und auch noch CDs dabei verkaufen. Worms lebt also doch noch so ein bisschen…


Eine Platte voller Sex
CD-Kritik: Infected World: „Sextape“

Die Wormser Band Infected World hat sich dem Electrocore verschrieben, besteht aus Marc Nispel (Vocals), Rouven Drever (Gitarre), Gabriel Ruff (Gitarre + Gesang), Manuel Hofmann (Bass) und Johannes Götz (Schlagzeug) und ist in dieser Formation seit 2017 unterwegs. Jetzt haben die Jungs mit „Sextape“ ihr erstes Album herausgebracht.

„Sextape“ ein selbstgedrehtes Video, um einen Porno zu drehen. Da ist man doch gespannt, ob die Platte denn auch voller Porno steckt. Hört man die Platte durch, stellt man fest, dass diese sehr gut und professionell produziert worden ist. Fette Drums, fette Gitarren, ein paar Electro-Synths und ab und an mal ein Auto-Tune. Stellenweise ein bisschen arg viel, was schade ist, weil doch ein wenig Originalität (die die Band live definitiv hat) verloren geht. Insgesamt merkt man aber schon, dass die Platte klar zu Szenegrößen wie Eskimo Callboy aufschließen möchte und das vom Partyfeeling her auch schafft. Der größte Hit der Platte ist mit Sicherheit Song 2 „Modern Dating“, der das Tinderleben persifliert und mit einem catchy Refrain daherkommt, der sofort im Kopf stecken bleibt. Solche Songs wünscht man sich noch ein bisschen mehr. Im Vorfeld wurde die Band übrigens für ihre sexistischen Texte heftig im Internet kritisiert, was zum Teil ein wenig zu hart war. Wer die Band kennt, merkt schnell, dass die Texte voller Ironie sind. Vielleicht ist es das, was man für ein Nachfolgewerk als Anregung mit ins Textelabor nehmen muss. Texte, bei denen die Ironie noch schärfer, noch deutlicher zum Vorschein kommen muss.

Fazit: Gutes Debüt, Jungs! Weiter!