Keine Ruhe für das Parkhaus am Dom

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Problematische Einfahrt sorgt für Kontroversen

Es hätte alles so schön sein können. Nach fünfjähriger Bauzeit, vielen Diskussionen, Rechtsstreitigkeiten und rund zehn Millionen Euro Baukosten wurde am 3. August das Parkhaus Koehlstraße seiner eigentlichen Bestimmung übergeben, nämlich Autos einen sicheren Ort zu bieten. Doch dann regte sich erste Kritik!

Bereits wenige Tage nach der Eröffnung beschwerten sich Autofahrer darüber, dass der Einfahrtswinkel, insbesondere wenn man von Richtung des Doms kommt, so knapp bemessen sei, dass man das Auto verlassen müsse, um ein Einfahrticket zu ziehen. Die Wormser Zeitung positionierte daraufhin eine Volontärin vor dem Parkhaus, die sozusagen eine Vorortreportage führte. Ihr Ergebnis: 14 von 15 Autos bekamen nicht die Kurve und mussten nachjustieren oder gar aussteigen. Für die FWG/ Bürgerforum Worms, die gerne mit satirischen Aktionen für Aufmerksamkeit sorgt, war das offenbar Wasser auf die Mühlen, zumal sie im Stadtrat zu den stärksten Kritikern des Baudezernenten Uwe Franz (SPD) gehörten. Ende August veröffentlichten sie schließlich ein dreiminütiges Video, bei dem sie diverse Einfahrmanöver filmten und das auf großes Interesse stieß (bisher rund 21.000 Aufrufe). Zuletzt boten sie vor dem Parkhaus eine „Überbrückung“ an, um als lebendiger Ticketservice auszuhelfen. Die Aktion sorgte ebenfalls für viel Aufmerksamkeit und machte uns neugierig. Überfordert das Parkhaus tatsächlich seine Besucher oder ist es eine überzogene Darstellung? Wir fragten bei der Stadt nach. Die Verwaltung erklärt in einer Stellungnahme: „Entgegen womöglich anderer Einschätzungen: die Ein- und Ausfahrt des neuen Parkhauses am Dom befindet sich an der gleichen Stelle wie beim alten Parkhaus. Die Lage des Ticketgebers ergibt sich zwangsläufig aus den geometrischen Gegebenheiten (die Lage zur Straße, zur Gebäudekante usw.).“ Franz räumte aber auch ein, dass das Problem womöglich mit der Positionierung des Rolltors zusammenhängt, das allerdings an keiner anderen Stelle angebracht werden konnte. So musste dies vor dem Parkhaus befestigt werden, da die Raumhöhe im Parkhaus nicht ausreichte. Für eine Veränderung hätte man in die Bausubstanz eingreifen müssen. Die Folge wäre gewesen, das Gebäude höher zu planen, wodurch Abstandsflächen nicht mehr gepasst hätten und wofür letztlich keine Genehmigung erteilt worden wäre.

Der WO! Selbsttest am Parkhaus am Dom
Wagemutig stellten wir uns schließlich einem Selbsttest. Das Auto unserer Wahl: ein BMW 3er Modell. Als wir uns der Einfahrt aus dem berüchtigten Winkel nähern, zeigt sich, dass diese tatsächlich sehr knapp ausfällt. Wir schaffen es, ohne auszusteigen an den Ticketgeber ranzufahren, allerdings müssen wir hierzu recht präzise fahren, wenn man verhindern möchte, dass man Bekanntschaft mit einem der Poller macht. Natürlich waren wir auch im Vorteil, da wir von der Problematik wussten. Das Urteil des Redakteurs: Mit dem ihm eigenen Kleinwagen (ein Peugeot405) wäre es vermutlich weniger problematisch gewesen. Mit einem SUV oder einem ähnlich großen Auto dürfte das Manöver zumindest für einen ungeübten Autofahrer ziemlich umständlich ausfallen. Wir fragten bei Franz nochmal nach, ob es möglich ist, Korrekturen vorzunehmen und den Ticketgeber zu versetzen. Mit Verweis auf die Position des Rolltors erklärt Franz, dass ein Versetzen nicht möglich sei. Allerdings wurden zur Verbesserung der Einfahrt bereits die Verkehrsinsel auf der Straße verkleinert, um ein besseres Einscheren zu ermöglichen, Poller zur Orientierung und eine Hilfslinie am Boden angebracht. Zum Abschluss wollen wir noch wissen, ob der Baudezernent die Kritik bzw. die Aktionen der FWG nachvollziehen kann. Hierzu fällt sein Kommentar eindeutig aus: „Für konstruktive Kritik ist die Verwaltung jederzeit offen und stellt sich gerne auch einer kontrovers geführten, aber lösungsorientierten sachlichen Diskussion. Die an den Tag gelegte Polemik der FWG hingegen dient offenbar aber nur einem Zweck: Die Verwaltung öffentlich zu diskreditieren und das Vertrauen der Bürger in die Verwaltung über eine vor allem in den sozialen Netzwerken forcierte Kampagne zu schwächen. Von politischem Verantwortungsbewusstsein zeugt dies nicht gerade.“ Ähnlich sieht das auch David Hilzendegen (Stadtrat Bündnis90/Die Grünen): „Stupides Bashing der Stadtverwaltung löst unsere Probleme im Baubereich genauso wenig wie das Wegducken des OBs. Problematisch ist, dass durch die Aktion der FWG einzelne Mitarbeiter*innen der Stadtverwaltung in die Öffentlichkeit gezogen werden und für politische Fehler haftbar gemacht werden, für die eigentlich gewählte Oberbürgermeister und Dezernenten die Verantwortung übernehmen müssten.“ Letztlich wird Worms mit einem Parkhaus leben müssen, das zwar im Inneren mit modernster Ausstattung punktet, hell und geräumig ist, aber eben den kleinen Makel besitzt, nicht rundum gelungen zu sein.