Bert Bims

Der Mai war der Monat der Entscheidungen im Fußball. Überall wurde wahlweise gefeiert oder getrauert. Ich höre Sie deshalb schon wieder zu Tausenden fragen: „Sagen Sie mal, Herr Bims, waren Sie denn in den letzten Wochen auch im Fußballfieber?“

VORAB MÖCHTE ICH FOLGENDES ERKLÄREN:

Ich opfere hier auch meine Jugend, in dem ich Sie Monat für Monat immer wieder aufs Neue erheitere. Und ich krieg keine Diäten im fünfstelligen Bereich wie die grüne Emilia Fester, die jüngste Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Ehrlicherweise bin ich auch keine 24 mehr, aber ich hatte in dem Alter auch Besseres zu tun, als mir meine Arschbacken im Bundestag wund zu sitzen und viel erfahreneren Menschen vorzu- schreiben, wie sie zu leben haben. Wobei ich nicht verhehlen möchte, dass auch unsere Generation Fehler gemacht hat, indem sie jahrzehntelang ihren Kindern erzählt hat: „Esst eure Teller leer, dann gibt es morgen schönes Wetter!“ Die Folgen dieses unverantwortlichen Satzes sehen wir heute in Form von adipösen Kindern und sonnenverbrannten Jugendlichen dank der zunehmenden Klimaerwärmung. Ich würde den jungen Leuten in der Politik aber den Tipp geben, dass ein bisschen Berufserfahrung im Hinblick auf das zukünftige politische Gestalten nicht schaden kann. Auch ich war mit 24 bereits als Pressesprecher der Guerilla-Bewegung in Kolumbien politisch tätig, aber mir war es wichtig, dass ich vorher eine solide Berufsausbildung als Schiffschaukelbremser auf dem Wormser Backfischfest absolviert hatte. Vor allem aber setzt man in der Jugend andere Prioritäten. Ich frage mich zum Bei- spiel, ob es wirklich so wichtig ist, dass wir auf öffentlichen Pinkelhäuschen eigene Toiletten für vegane Transgender mit Lactoseintoleranz einrichten, wo wir doch in Worms jahrzehntelang nicht mal ein Behindertenklo im Rathaus hatten? Oder tragen wir wirklich zur Befriedung des Ukraine-Krieges bei, wenn wir den Buchstaben „Z“ verteufeln und unser ältestes Blatt, die Wormser Zeitung, zukünftig nur noch “Wormser Eitung” heißt? Sagt man zukünftig „das habe ich in der W gelesen!“, weil auch die Abkürzung WZ ausgedient hat? Wir dagegen dürfen unser politisch absolut unbedenkliches WO! behalten, einzig bei dem Beinamen „Wormser Stadtmagain“ müssen auch wir Abstriche machen.

MORE DRAMA, WORMATIA!

Was waren das letzten Monat für herrliche Bilder von engumschlungen feiernden Fußballfans, die gemeinsam mit den Spielern aus einem Pokal gesoffen haben, während Karl Lauterbach vorm Fernseher stark erhöhten Blutdruck hatte. Auch in Worms hätte man letzten Monat schon feiern können, aber die Wormatia hats in Trier in gerade einmal 60 Sekunden vergeigt. Natürlich war auch ich bei der Tragödie dabei und bin mit einem doppelt so langen Gesicht wieder zurückgekehrt. Die Wormatia ist halt schon immer eine Drama-Queen gewesen. Einfach mal so in Trier gewinnen und zwei Spieltage vor Schluss schon Meister sein, wäre wohl zu banal gewesen. „More Drama, Baby!“ würde Bruce Darnell bei GNTM jetzt rufen. Jetzt wird die Meisterschaft erst am letzten Spieltag entschieden, weshalb auch kürzlich eine Annonce eines Wormatia Fans in der „W“ erschienen ist: „Am 4. Juni spielt die Wormatia um den Titel in der Oberliga. Leider ist an diesem Tag meine schon länger geplante Hochzeit. Da ich bereits eine Karte für das Wormatia-Spiel habe, wollte ich fragen, ob jemand Interesse hat? Sie ist blond, 1,70 Meter groß, heißt Jaqueline und wartet am 4. Juni um 15 Uhr in einem weißen Kleid vor der Lutherkirche.“ Hahaha, ich sag immer: Man muss auch mal Prioritäten setzen. Zum Thema „Prioritäten“ fällt mir gleich noch ein weiterer Fußballwitz ein:

Beim WM-Finale ist das Stadion komplett ausverkauft. Trotzdem ist auf der Tribüne noch ein Platz neben einem Mann frei. Sein Nachbar fragt ihn, warum der Platz leer ist. „Die Karte war normalerweise für meine Frau, aber die konnte kurzfristig wegen einer Beerdigung nicht kommen.“ Sein Nachbar fragt nach: „Das verstehe ich ja, aber haben Sie denn keine Verwandten, Bekannte oder Nachbarn, die stattdessen die Karte genommen hätten?“ Daraufhin meint der Mann: „Die konnten nicht, die sind ja alle auf der Beerdigung meiner Frau…“

WAS GIBT’S SONST NEUES?

Ach ja, kurz bevor wir endlich mal wieder einen unbeschwerten Kultursommer genießen können, machen die Affenpocken die Runde. Unser Verlagschef will sich diesmal von Anfang am großen Geldtopf bedienen und hat angekündigt, einen Affenpocken-Testcenter in irgendeiner Shisha-Bar zu eröffnen. Ich dagegen frage mich, was wohl als Nächstes kommt? Vielleicht Ziegen-Tourette, also langanhaltendes beleidigendes Gemecker, das überwiegend bei Weibchen zu beobachten ist? Ei ei ei, die Gleichstellungsbeauftragte unseres Verlages hat mich gerade darauf aufmerksam gemacht, dass die Frauen in dieser Kolumne nicht sonderlich gut wegkommen würden. Ich möchte deshalb an dieser Stelle von Eides Statt versichern, dass ich Frauen über alles liebe. Nur ihr schafft es, wie Frankfurts Oberbürgermeister Feldmann zu sagen pflegte, einen Bert Bims hormonell außer Gefecht zu setzen. Sofern nicht ein superwichtiges Fußballspiel ansteht.

 

Mit freundlichen Grüßen, Ihr Dr. Bert Bims