Na, Beef?

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Wir müssen reden

Es ist Sommer, die Sonne scheint, gut im Juni hat es auch ein bisschen geregnet, aber jetzt ist es heiß. So heiß, dass selbst einige Gebäude rot angestrahlt werden.

Liebe Leser,

wir müssen reden. Es passiert dann doch mehr in diesen Sommermonaten und wenn man sich über einige Themen genauer informiert, kommt man aus dem Aufregen gar nicht mehr raus. Im Juni fand in ganz Deutschland, auch hier in Worms, die NIGHT OF LIGHTS statt. Eine Aktion, bei der vorwiegend Kulturstätten in rotes Licht getaucht wurden, um darauf hinzuweisen, dass die Veranstaltungsbranche die nächsten 100 Tage nicht überlebt. Eine tolle Aktion, um darauf hinzuweisen, dass diese Branche kurz vor dem Ruin steht. Viele Firmen sind schon pleite oder kurz davor. Viele Freelancer stehen in der Arbeitslosigkeit oder werden wohl jetzt dauerhaft den Beruf wechseln. Und ja es trifft alle, der kleine Verleiher, der ihnen eine Anlage zum 70. Geburtstag vermietet, genauso wie die Firma, die den ESC beleuchtet. Also alles in allem eine tolle Aktion, wenn da nur nicht immer diese dummen Kommentare wären: „Och is des schää, könne mer des net immer mache?“, „Ach ist heute wieder ein Feiertag?“, „Das ist doch alles voll unnötig.“ Aber ist es gerecht, sich über unwissende Menschen aufzuregen. Eher nicht. Denn wie will man es denn vermitteln? Im Flugzeug darf man sich mit 200 Menschen zusammenrotten und Richtung Mallorca fliegen. Im Theater braucht man Abstand zu allen Seiten, was für kleine, nicht staatliche Bühnen das Wirtschaften vollkommen unrentabel macht. Man darf nicht singen, proben und richtige Konzerte machen. Wegen den Aerosolen (Geiles Wort übrigens). Dafür darf man in der Fleischfabrik unter unwürdigen Bedingungen machen, was man will: Tiere quälen, nicht gut bezahlen und als Bonus Corona bekommen.

Mittlerweile gibt es mit Sicherheit schon die Sonderverordnung Nummer 44 des Landes. Mal ganz ehrlich, hat irgendwer gerade einen Überblick, was man wirklich darf und was nicht? Sehen wir das mal aus Sicht der Gastronomie und der Kulturveranstalter: Also sie brauchen im Außenbereich Masken, nein doch nicht. Sie können übrigens außen Veranstaltungen mit 150 Menschen machen, nein mit 250, halt Stopp mit 350, ach nee Moment, vielleicht doch nur 250. Dafür dürfen Sie dann bis 22 Uhr öffnen, vielleicht auch bis 24 Uhr, irgendwann auch mal länger, aber das sagen wir Ihnen erst einen Tag vorher, damit auch genug Zeit zur Vorbereitung bleibt. Auch unsere Stadtverwaltung ist hier echt nicht zu beneiden, alle drei Tage etwas Neues umsetzen zu dürfen.
Warum müssen wir noch reden? Ja, wegen dem Kaufhof. Vielleicht war es nur eine Frage der Zeit, bis der hiesige Kaufhof von der Bildfläche verschwinden wird. Was wünscht man sich bei so einer Nachricht? Solidarität mit den Mitarbeitern, Diskussionen über grundlegende Konzepte zur Innenstadtbelebung, mal wirklich einen Plan. Was bekommt man? Einen etwas unausgegorenen Vorschlag zu einem Rathaus zwei. Ein Vorschlag, der einfach alle vorhandenen Probleme ignoriert. Ein bisschen wie 200 Leute in den Flieger stecken und nach Mallorca fliegen…

Bis nächsten Monat!
Jim Walker Jr.