Sagen Sie mal Herr Bims

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Teil 36: Mein Jahresrückblick

Autor: Bert Bims

Böse Zungen behaupten, ich müsste zu allem meinen Senf dazugeben, auch wenn das den Verlag im Jahr 2015 richtig viel Geld gekostet hat. Ich höre Sie deshalb schon wieder zu Tausenden fragen: „Sagen Sie mal Herr Bims, wie sieht denn Ihr persönlicher Jahresrückblick 2015 aus?“

Zunächst bin ich froh, dass ich noch hier schreiben darf. Zwar hat es mich nach meiner Lehre zum städtisch geprüften Schiffschaukelbremser auf alle Kontinente dieser Erde verschlagen, aber zuletzt hatte ich mich doch sehr häuslich in meinem beschaulichen Worms eingerichtet. Und dann das. „Ermittlungen gegen Herrn Bert Bims“ stand in dem Schreiben der Staatsanwaltschaft Mainz „wegen Beleidigung einer öffentlichen Person“. Natürlich hätte ich die Tat liebend gerne an einen anderen abgeschoben, aber googeln Sie mal „Bert Bims“! Da kommt erst mal nur meine Wenigkeit dabei raus. Auf jeden Fall hat diese Sache ein derartiges Loch in die Verlagskasse gerissen, dass das Weihnachtsgeld der gesamten Belegschaft gestrichen wurde. Seitdem hassen mich die lieben Kollegen umso mehr. Sätze wie „Bims, du Hackfresse, wegen deinem vorlauten Maul kann ich meiner Frau nichts zu Weihnachten kaufen!“ würde ich seitdem immer öfters hören, wenn auch nur einer unserer Redakteure verheiratet wäre. Is ja aber keiner, rein aus Gründen der Schadensbegrenzung. Wenn Sie mich also fragen, wie das letzte Jahr für mich gelaufen ist, kann ich als Urwormser nur ausrufen: „Beschissen wäre geprahlt!“. Vor allem, weil 2015 drei meiner größten Helden gestorben sind: Winnetou, Mr. Spock und Dracula. Und um Dagobert Duck soll es auch nicht so gut stehen. Außerdem hat im letzten Jahr Franz Beckenbauer seinen Heiligenschein verloren, weil die Deutschen zwar geglaubt haben, dass die WM-Vergaben nach Russland und Katar gekauft waren, aber ausgerechnet bei unserem Sommermärchen nicht geschmiert wurde. Das wäre genauso, wie wenn man glauben würde, dass die Bundesregierung keine „Zuwendungen“ von der Waffenlobby erhält, damit man auch weiter fleißig Krieg spielt im Nahen Osten. Einen schweren Schlag erlitt die Tabak- und Alkoholindustrie zum Jahresende, speziell Jack Daniels und Reyno Menthol werden 2016 gewaltige Umsatzeinbußen erleiden, weil ihre jeweils besten Kunden das Zeitliche gesegnet haben. Obwohl viele dachten, er wäre unsterblich, ist Lemmy Kilmister von Motörhead kurz nach Weihnachten verpufft und war bis Redaktionsschluss noch nicht von den Toten wieder auferstanden. Ein paar Wochen zuvor hatte bereits der letzte qualmende Hamburger Schornstein, Altkanzler Helmut Schmidt, das Rauchen endgültig aufgegeben. Mit ihm ging einer der letzten echten Sozialdemokraten, so wie Willy Brandt einer war oder Michael Weick einer werden könnte. Wie dagegen der jüngste SPD-Parteitag gezeigt hat, ist der aktuelle Parteichef Sigmar Gabriel nur noch zu knapp 75% Sozialdemokrat, der Rest besteht – ähnlich wie das McDonalds-Hamburgerfleisch – aus purem Fett und Ammoniak. Dafür hat Gabriel mutmaßlich noch beide Hoden. Im Gegensatz zu Adolf Hitler, der – wie wir mit 70 Jahren Verspätung dank der BILD-Zeitung erfahren durften – nur einen Hoden hatte. „Eier, wir brauchen Eier!“ sagte bereits Oliver Kahn.

Das bringt mich auch zu meinem neuen Kollegen zur Linken: Peter Englert alias Jim Walker jr.. Der hat für meinen Höhepunkt des Jahres gesorgt, als er ganz stolz berichtete, dass Dieter Wedel ihm bei der Vorstellung des neuen Ensembles in Bad Hersfeld vor allen anderen Darstellern zu seiner ersten Auszeichnung als Schauspieler gratuliert habe. Schließlich habe ihm das WO! Magazin den Preis „Wichser des Jahres 2014“ verliehen. Rechtmäßig erworben dank einer legendären Wichsszene in einer Nibelungen-Inszenierung des großartigen Dieter Wedel. Für meinen zweiten Höhepunkt des Jahres hat unser OB mit seinem vermeintlichen Rücktritt in unserer März-Satire-Ausgabe gesorgt. Kissel ist mit der Ausschüttung von Testosteron übrigens ähnlich vertraut wie Englert oder Wedel, denn der frisch verliebte Schwerenöter hat laut aktuellen Messungen seines Hausarztes die Werte eines ausgewachsenen Zuchtbullen in der Brunftzeit – obwohl Kissel im letzten Jahr 60 wurde. Zu diesem Anlass hatten wir ihm seinen Rücktritt angedichtet, getreu dem Motto „Ich habe genug Schaden angerichtet“. Und siehe da! Kissel hat zu seinem vermeintlichen Rücktritt mehr Glückwunschtelegramme als zu seiner Wiederwahl als OB erhalten. Noch heute klopfen ihm wildfremde Menschen auf den Straßen von Worms auf die Schultern, um ihm zu seinem damaligen Schritt zu gratulieren. Wie der OB offen zugibt, seien auch die Menschen seitdem viel netter geworden. Heute weiß man warum, sie dachten offensichtlich: „Naja, der isses ja nicht mehr…!“ Absolut unbestätigten Gerüchten nach sollen die Leute auf der Straße am häufigsten nachgefragt haben: „Sagen Sie mal, hätten Sie den zweiten Stadtchef, den mit der Rotzbremse im Gesicht, nicht auch gleich überreden können?“ Aber die Politik ist nun mal kein Wunschkonzert, oftmals fällt nicht der Beste nach oben, sondern der, der gerade dran ist. Um daraus die kleinsten Übel auszuwählen, müssen wir alle die Mittel der Demokratie nutzen. Deshalb gebührt das Schlusswort dem Schriftsteller Erhard Blanck (*1942):

„In der Demokratie kann man sich die Idioten selbst in die Regierung wählen. In der Diktatur nicht mal das…“

Euer Bert Bims