Von Döner, Burger und echten Helden

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Liebe Leser, bestimmt sind Sie jetzt ganz erschrocken und erstaunt, eine neue Kolumne im WO! vorzufinden. Naja, ich mach das jetzt halt: Jim Walker jr. (Jaja, der Typ, der die qualitativ furchtbaren Konzertkritiken schreibt.) In Worms kennt man mich als Sänger der Döftels, Schauspieler, Wichser des Jahres, bla, bla, bla. Eigentlich müsste hier jetzt ein ausführlicher Text über mich erscheinen, meine Hobbies, die Namen meiner Haustiere oder auch was ich bei meinem Lieblingsitaliener immer bestelle. Aus Rücksicht vor den armen Lesern und meiner selbst, erspar ich uns das einfach und komme zur Sache, denn einiges hat mich doch im letzten Monat zum Nachgrübeln gebracht.

(Was Sie hier lesen ist bereits die zweite Fassung. Die erste wurde auf Grund ihrer Radikalität direkt vom Chefredakteur verboten)

Worms ist ja seit Jahren unangefochtene Spitze in der Anzahl der Dönerläden. Doch damit nicht genug: Selbst im Rewe gibts jetzt Döner und das für schlappe 2.- Euro. Auf jeden einzelnen Wormser kommen also aktuell im Schnitt ca. 3,48 Dönerbuden. Das ist Weltspitze! Seit letztem Jahr kam neben dem Döner auch noch die gute alte Currywurst dazu. Da gibt es zum einen die Wormser Wurst Werkstatt am Lutherdenkmal oder den vom Ober-Rode geleiteten Currywood in der Bebelstraße. Für den allgemeinen Wormser war das sowas wie eine Offenbarung, eine komplett freie Entscheidung zwischen Wurst und Drehspieß. Fast-Food Fans wie meine Wenigkeit sind aber erst so richtig ausgeflippt, als die Dichte an Burgerläden exponentiell in die Höhe schoss. Angefangen hat das Ganze eigentlich ganz harmlos vor zwei Jahren, als das TE beschloss, aus seinem Montag einen Diner-Super Monday zu machen. Für einen ganzen Haufen Fressjunkies war dieser Tag das offene Tor zu echten Hamburgern (mit richtigem Fleisch statt Fett und Ammoniak, so wie bei Mc Donalds), Milkshakes und Club Sandwiches. Einen einzigen Abend lang konnte man sich fühlen wie in Mannheim oder Heidelberg und hatte nicht den Eindruck, im letzten vergessenen Kuhdorf Rheinhessens zu stecken. Was dann in diesem Jahr folgte, gleicht einer nie da gewesenen Kulturrevolution. Überall machten im Jahr 2015 Burger bzw. Diner Läden auf: Das Millers in Herrnsheim, Times Burger in der KW, Irish Pub macht seit einiger Zeit Burger, der Saloon in der ehemaligen Villa Zuversicht hat als Diner- und Steakhouse eröffnet und zu guter Letzt gibt es seit diesem Jahr die Burger Brothers in der Unteren Kämmerergasse. Und das alles in einer Zeit, in der gefühlt jeder Dritte vegan lebt und stattdessen tagtäglich acht Säcke Brokkoli verspeist. Danke Worms, dir habe ich es zu verdanken, dass ich mein fettiges, ungesundes Leben weiterführen kann!!

Von Burgern komm ich irgendwie auf leicht übergewichtige Helden. Ein richtiger Held ist auch der kleine Marcus aus dem Bundestag. Richtig zum Lachen gebracht hat er mich, als ich einen riesigen Artikel in der Tageszeitung las. Da stand doch tatsächlich in der WZ, dass die Jusos ihm vorwerfen, Instagram Follower gekauft zu haben. Welch ein großer, von der Rhein-Main-Presse aufgedeckter Skandal, bei dem es wohl bewegend für den Fortbestand der Menschheit ist, ob nun jemand 386 oder 520 Follower hat. Das Theater ging natürlich noch weiter, da er umgehend dementierte und die vielen Follower auf seine extreme Beliebtheit zurückführte. Spaßig wird das ganze aber erst, wenn man sich die Namen der jeweiligen Follower anschaut: „hairypodda_de“, „fashionbyhashtag“ oder auch „thegoodstylish“. Also entweder hat sich der Mann bei einem Anbieter wahllos ein paar Follower bestellt oder er hat einen heimlichen Beauty- und Fashion Blog auf Youtube, von dem wir nichts wissen. Ich persönlich wäre über ein paar gute Stylingtipps von Herrn Held sehr dankbar, da ich dann endlich wüsste, wie meine Frisur im Reichstag richtig zu sitzen hat und die Bundespolizisten am Touristeneingang mich nicht jedes Mal für einen potentiellen langhaarigen Bombenleger halten. Ich frage mich natürlich, wieso man sich überhaupt über Klick- oder Followerzahlen so sehr kümmert, denn es sind weiterhin die real existierenden Personen, die zur Wahl gehen und ihr Kreuzchen doch wieder an der falschen Stelle machen. Früher wäre man wohl einfach hingegangen und hätte nett gesagt: „Hallo ich bin der Marcus, ich würde mich gerne für die Erhaltung des Spielplatzes einsetzen“. Geht es also hier eigentlich einfach nur noch um Aufmerksamkeit? Die hat der Marcus Held doch überhaupt nicht nötig. Immerhin hat er es in die „heute-show“ geschafft, weil er sofort ein Selfie machen wollte, als er eine Kamera plus ZDF Journalist in seiner Richtung sah. Aufmerksamkeit hatte er da jedenfalls genug, als er dem verdutzten Reporter nicht nur die Nibelungen-Festspiele ans Herz legte, sondern ihm noch zwei syrische Flüchtlinge plus Weinkönigin verkaufen wollte. Ob man das Ganze jetzt als sehr geschickten Umgang mit den Medien oder doch eher als peinlichen Affentanz sehen will, bleibt jedem selbst überlassen (in der Redaktion gab es darüber endlose Diskussionen).

Apropos peinlich: Als Letztes widme ich mich dir, lieber Michael Weick. Schon vor Monaten habe ich in einem offenen Brief an dich vermutet, dass du in erster Linie nur provozieren wolltest. Offensichtlich ist jetzt, wie man lesen konnte, dein Hirn zu dir zurückgekehrt. Du bist aus der NPD ausgetreten, willst kreativ im Stadtrat mitarbeiten und endlich dein Leben in den Griff bekommen. Gute Ansätze, wenn du aber wirklich was bewegen willst, dann verrate uns doch die Hintermänner deiner Ex-Partei. Jeder, der bis vier zählen kann, weiß, dass du nicht alleine hinter den rassistischen und menschenverachtenden Forderungen im Stadtrat gesteckt hast. Eine Frage hätte ich dann aber doch: Wer steckte denn jetzt eigentlich hinter Automaten Ali? So, in diesem Sinne genug aufgeregt in der ersten Kolumne. Mit Glück gibts ne zweite…

Viele Grüße, Jim Walker jr.

PS: Da wir in letzter Zeit öfter mal verklagt werden und der Aufwand langsam zu groß wird, bitte ich alle Anzeigen, Unterlassungserklärungen oder primitive Beleidigungen direkt an: ich-mach-euch-fertig@wo-magazin.de zu schicken. Das erleichtert ein wenig das Sortieren…