Sehen, staunen und genießen

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Wormatia Worms mischt die Regionalliga auf

„Warum grinst du eigentlich die ganze Zeit? Ach so, du bist ja Wormatia-Fan…“
Ja, im Moment findet man kaum Anhänger des VFR, die nicht selig sind über das, was sich da im positiven Sinne an der Alzeyer Straße zusammenbraut. Mit einem der jüngsten Teams aller Zeiten steht die Wormatia nicht nur sensationell in der Spitzengruppe der Regionalliga Südwest, sondern spielt mindestens ebenso sensationellen Fußball. Da darf man als Fan, nach zwei Jahren fußballerischer Magerkost, durchaus mal grinsen.

Sechs Siege, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen – die Bilanz der Wormatia nach zehn Spielen kann sich sehen lassen. Genauso oft hatte man in der Vorsaison im kompletten Rundenverlauf in 34 Spielen gewonnen. Fast schon beängstigend wird es, wenn man die bisherigen Punktverluste genauer unter die Lupe nimmt. So fällt auf, dass bei den beiden einzigen Niederlagen die Schiedsrichter eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben. Beim 1:3 gegen den 1. FC Kaiserslautern II verweigerte der Referee dem wohl regulären 2:2 der Wormatia wegen eines angeblichen Torwartfouls die Anerkennung. Und beim 1:2 in Kassel spielte Schiri Asmir Osmanagic aus Stuttgart Schicksal, als er bereits in der ersten Halbzeit zwei Wormser mit Rot vom Platz stellte – über beide Platzverweise konnte man trefflich streiten. Auch die beiden Unentschieden zuhause gegen die Offenbacher Kickers (0:0) und auswärts bei der TSG Hoffenheim II. (1:1) hätte man vom Chancenverhältnis her „eigentlich“ auch gewinnen können. Aber anstatt darüber zu hadern, wie viele Punkte man womöglich verschenkt hat, herrscht eitel Sonnenschein über die sechs Siege, die errungen wurden und über deren Rechtmäßigkeit es rein gar nichts zu diskutieren gibt. Stand der Heimsieg gegen FK Pirmasens (2:0) noch lange Zeit auf wackligen Beinen, bot das 5:1 gegen den FC Homburg ein Musterbeispiel für schnelles Umschaltspiel und perfekt heraus gespielte Tore. Die beiden Auswärtssiege in Neckarelz (4:3) und beim SC Freiburg II (3:1) entstanden nach einer starken Anfangsoffensive des Gegners, ehe sich das Team von Sascha Eller mehr und mehr ins Spiel gekämpft hat und zeitweise wie ein echtes Spitzenteam aufgetreten ist. Beim 2:0 gegen Astoria Walldorf wurde ein gutes Dutzend Torchancen verbucht, bis Florian Treske eine Viertelstunde vor Schluss endlich der erlösende Führungstreffer gelungen ist. Kein Wunder, dass die Zuschauer in Anbetracht dieses Offensivwirbels in Verzückung geraten. Und es wurde auch kein gegnerischer Trainer müde zu betonen, dass ihm die mannschaftliche Geschlossenheit des VFR besonders imponiert hätte.

Ein Team mit Zukunft

Da wurde vor der Saison der Etat des Vereins um 30 Prozent gekürzt, der Kader brutal verjüngt und mit Talenten aus der A-Jugend aufgefrischt. Aber siehe da: Die Mischung scheint zu stimmen. Offensichtlich hat die sportliche Leitung um Trainer Sascha Eller bei der Zusammenstellung des Kaders ziemlich viel richtig gemacht. Da sich außerdem die Früchte der guten Jugendarbeit auszahlen, hat die Wormatia schneller als gedacht ein Team beisammen, das mit seinem gesunden Teamspirit gehörig die Regionalliga aufmischt. Keine Frage: Diese Mannschaft ist gekommen, um zu bleiben. Und zwar ziemlich weit oben in der Tabelle. Verständlich, dass die Verantwortlichen des VFR nach den Erfahrungen aus dem Vorjahr immer noch ein wenig tief stapeln und nur vom Klassenerhalt sprechen. Insgeheim wird man aber schon längst erkannt haben, dass diese Mannschaft auf „UEFA-Cup-Kurs“ ist. Ob es für ganz oben reicht, werden die Partien bei den Drittliga-Absteigern SV Elversberg (fand nach Redaktionsschluss statt) und dem 1. FC Saarbrücken zeigen. Aber selbst wenn Ellers Jungs noch zu grün für einen Aufstiegsplatz sein sollten, weiß man trotzdem ganz genau, dass Loechelt, Zinram, Treske & Co. die Zukunft gehören. Bis dahin gilt das gleiche wie bei einer Blume, die man frisch gepflanzt hat und die sich prächtiger entwickelt, als man das geglaubt hätte: „Sehen, staunen und genießen.“

Die harten Fakten:

  • Florian Treske, der vom SSV Ulm gekommen ist, wurde von Trainer Sascha Eller als klassischer Mittelstürmer zurück ins offensive Mittelfeld gezogen und trifft seitdem regelmäßig. Mit 7 Treffern führte Treske nach dem 10. Spieltag die Torschützenliste der Regionalliga Südwest an.
  • Johnathan Zinram ist mit 9 Torvorlagen der beste Scorer der Liga. Zur Erinnerung: Im Vorjahr spielte Zinram, unter Emmerling und Boysen, nur 11 Mal von Anfang an und wurde zumeist nur eingewechselt (16 x).
  • Die Wormatia stellt zusammen mit dem 1. FC Kaiserslautern II die stärkste Offensive der Liga und hat in den ersten 10 Partien im Schnitt pro Spiel 2,1 Mal getroffen. Zur Erinnerung: In der letzten Saison hatte man die drittwenigsten Tore aller Teams erzielt.
  • Mit Sascha Eller stellt man den Trainer, der bereits vier Mal den Sieg eingewechselt hat, weil einer seiner Joker gestochen hat.