Ein Spiel, das unter die Haut ging

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Es gibt Fußballspiele, die vergisst man sofort wieder. Und dann gibt es Spiele, die bleiben ein Leben lang in Erinnerung. Das 5:1 der Wormatia gegen den FC Homburg war ein solch denkwürdiges Spiel. Nicht nur wegen des überraschenden Kantersieges, sondern weil die Wormatia-Gemeinde Abschied nahm von dem kurz zuvor verstorbenen Raphael Hügel.

Beim Heimspiel zwei Wochen zuvor war noch auf einem Transparent zu lesen: „Halt durch Raphi“ Doch seinen zweiten Kampf gegen die tödliche Krankheit Leukämie hat Raphael wenige Tage später verloren. Noch im Oktober letzten Jahres hatten seine Freunde vom Wormatia-Fanclub „Sups Worms“ vor dem Spiel gegen Waldhof Mannheim eine groß angelegte Typisierungsaktion für die DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) gestartet. Mit großem Erfolg, mehr als 300 Personen ließen sich an diesem Tag registrieren und Organisationstalent Raphael Hügel saß mittendrin. Schließlich hatte er selbst gegen die Krankheit gekämpft und konnte zunächst erfolgreich mittels Chemotherapie behandelt werden. Doch Anfang dieses Jahres erlitt er einen Rückschlag, als die heimtückische Krankheit unbarmherzig zurückkehrte. Unter dem Motto „Auch Helfer brauchen Hilfe“ fand im Februar 2014 in der Mensa des Rudi-Stephan-Gymnasiums eine erneute Registrierungsaktion statt – diesmal um einen geeigneten Stammzellenspender für den einstigen Helfer zu finden. Obwohl der stets lebenslustige Raphael auch diesen erneuten Schicksalsschlag angenommen hat und seinen Lebensmut nicht zu verlieren schien, verstarb er am 28. August 2014 im Alter von nur 33 Jahren an den Folgen seiner langjährigen Erkrankung. Vor dem Heimspiel gegen den FC Homburg gedachten Mitglieder der Sups Worms ihrem Freund und führten einen Trauermarsch in Richtung Stadion durch. Mit einer beindruckenden Choreografie erinnerten sie an den ehemaligen Fanbeauftragten des Vereins, die Spieler des VFR betraten den Rasen mit einem großen Transparent mit der Aufschrift „Der letzte Mohikaner“ – ein letzter Gruß an einen charakterlich einwandfreien Menschen, der leider viel zu früh das Zeitliche segnete. Auch wenn es schier unmöglich ist, in einer solchen Situation Trost zu spenden, so sollten seine Freunde und Verwandten zumindest dankbar dafür sein, dass Raphael nach der erstmaligen Diagnose „Leukämie“ noch ein weiteres, wenn auch sehr kurzes Leben geschenkt wurde. In den Herzen Vieler wird Raphi sowieso weiterleben.

Auch wenn der Fußball in solchen Momenten seine Bedeutung verliert, Wormatia-Fan Raphael hätte am Abend des 09. September 2014 seine helle Freude gehabt. Wie sein Verein von der ersten Minute an Gas gegeben und keinen Zweifel daran gelassen hat, dass hier nur eine Mannschaft den Platz als Sieger verlassen wird – das war schon beindruckend und zeigte einmal die Charakterfestigkeit der Elf von Trainer Sascha Eller, die auch schon zur Beerdigung wenige Tage zuvor erschienen war. Gleichzeitig haben die Wormser Spieler an diesem Abend etwas Bemerkenswertes geschafft. Obwohl jeder einzelne im Stadion die Choreografie mit einem dicken Kloß im Hals verfolgt hat und der Verstorbene, nicht nur wegen der immer wiederkehrenden „Raphi Hügel“-Rufe, stets irgendwie präsent war, hat das fußballerische Feuerwerk auf dem Rasen für 90 Minuten vergessen lassen, dass wenige Tage zuvor ein Mensch gestorben war, der ein großes Loch in der Wormatia-Familie hinterlassen hat. Noch lange Zeit nach Spielschluss blieben die Wormser Fans in ihrem Block und sangen für die Mannschaft und ihren alten Weggefährten „You’ll never walk alone“ und sorgten damit für Gänsehaut pur unter den Anwesenden. Das war ein Sieg, der unter die Haut ging und von allen Beteiligten unvergessen bleiben wird. Was für ein großartiger, trauriger und doch so denkwürdiger Fußballabend. Mehr Emotionen bei einem Fußballspiel gehen nicht.