Stell dir vor, die Wormatia spielt…

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… und keiner geht hin…

Mit sechs Punkten aus vier Spielen liegt die Mannschaft von Trainer Sascha Eller in der Spur und hält sich konstant im vorderen Drittel der Tabelle. Trotzdem sind die Zuschauerzahlen bei der Wormatia rückläufig.

Zum Auftakt nach der Winterpause meinte es die Glücksgöttin Fortuna besonders gut mit der Wormatia. Zwar musste man bereits nach 20 Minuten die zu etwas harte rote Karte für Enis Saiti nach einer vermeintlichen Notbremse verkraften. Aber da Gegner Hessen Kassel nur eine Halbzeit lang auf Sieg spielte, aber in der zweiten Hälfte selbst in Überzahl nur noch das Nötigste tat, hieß der glückliche Sieger der Partie Wormatia Worms, weil Innenverteidiger Benjamin Maas einen Freistoß von der Strafraumgrenze wunderbar zum vielumjubelten 1:0-Siegtreffer in den Winkel zirkelte – und das auch noch in der 89. Spielminute. Danach musste man noch 2 – 3 brenzlige Situationen überstehen, ehe am Ende ein dreckiger Sieg stand, der nach den Ereignissen im Hinspiel in Kassel (bei der 1:2-Niederlage sahen zwei Wormser bereits in der 1. Halbzeit die rote Karte) besonders gut schmeckte. Was gegen Kasel spielerisch noch klemmte, wurde dann im Auswärtsspiel beim FK Pirmasens offensichtlich. Nach einer indiskutablen Mannschaftsleistung, womöglich der schlechtesten der laufenden Saison, stand eine verdiente 0:3-Niederlage bei dem Aufsteiger aus der Westpfalz. Von daher war gegen die SpVgg Neckarelz vor heimischer Kulisse Wiedergutmachung angesagt, was zumindest vom Ergebnis her gelang. Hierbei profitierte man gleich doppelt von dem Pech der Gäste. Zunächst leistete sich Gästetorhüter Wagner einen missglückten Abschlag, der bei Wormatias diesmal von Anfang spielenden Joker Ali Özgün landete, der in der 44. Minute den erlösenden Führungstreffer gegen bis dahin mindestens gleichwertige Neckarelzer erzielte. Als dann auch noch Bückle (72.) die rote Karte sah, war die Partie endgültig gelaufen. Nach Findiks 2:0 (56.) direkt nach der Pause erhöhte Maas sieben Minuten vor Schluss zum 3:0. Beste Voraussetzungen also für das zweite Heimspiel hintereinander, diesmal gegen die Zweite von der TSG Hoffenheim. Erneut profitierte man von einer roten Karte für die Gäste, die Hoffenheims Akpoguma in der 40. Minute nach einer Notbremse erhielt. Die TSG hatte zu diesem Zeitpunkt nicht unverdient mit 1:0 geführt, musste aber aufgrund des in Überzahl stärker werdenden Drucks der Wormatia in der zweiten Hälfte folgerichtig den Ausgleich durch Özgün (65.) hinnehmen. Als jedoch die meisten eher mit dem Siegtreffer der Gastgeber rechneten, setzten die Hoffenheimer den entscheidenden Konter und markierten 13 Minuten vor Schluss den Siegtreffer, so dass am Ende eine mehr als unnötige Niederlage der Wormser stand. Trotzdem belegt das Team um den derzeit etwas glücklosen Kapitän Florian Treske relativ konstant Platz 5. Auch wenn der FC Homburg zuletzt verdächtig nah auf die Pelle gerückt war (Hinweis: Das Auswärtsspiel am 27. März beim FC Homburg war bei Redaktionsschluss noch nicht beendet), wird der VFR mit aktuell 39 Punkten mit dem Abstieg definitiv nichts mehr zu tun haben. und kann die letzten Spiele relativ entspannt angehen.

Die Zuschauer bleiben aus
Vor dem Hintergrund der grundsätzlich positiven Entwicklung im Verein ist es schon etwas trostlos, derzeit die leeren Zuschauerränge bei der Wormatia zu sehen. Waren es im ersten Spiel nach der Winterpause gegen Kassel immerhin noch 1061 Besucher, sind die Zahlen danach nach noch weiter nach unten gegangen (gegen Neckarelz 745, gegen TSG Hoffenheim II 802 Zuschauer). Überhaupt datiert der Rekordbesuch in der aktuellen Saison vom 3. Spieltag, als gegen Kickers Offenbach 2.239 Zuschauer ins Stadion an der Alzeyer Straße gepilgert sind, knapp 800 Fans hatte der OFC mitgebracht. Von einst 1.500 Zuschauern im Schnitt ist man derzeit weit entfernt, der treue Stamm liegt aktuell vielleicht bei 800 – 1000 Leuten. Dabei hat man doch von Vereinsseite fast alles richtig gemacht in letzter Zeit, als man ein junges, hoffnungsvolles Team unter einem unverbrauchten Trainer aufgebaut hat, das sich konstant im oberen Drittel der Tabelle hält. Nur leider honorieren die Wormser das derzeit nicht. Vielleicht auch, weil der VFR im Niemandsland der Tabelle steht. Nach oben ist der Zug bereits abgefahren und nach unten hat man noch genügend Luft. Da ist purer Abstiegskampf für den Zuschauer interessanter.

Der Fluch der verkehrsgünstigen Lage
Mit der frühzeitigen Verpflichtung von Torjäger Treske und Erfolgstrainer Eller hat der Verein ein Zeichen gesetzt, dass man sich dauerhaft oben in der Tabelle festsetzen will. Wobei das auch die grundsätzliche Frage aufwirft, ob die Wormatia bei einem derartig geringen Publikumsinteresse überhaut höhere Ziele anstreben soll oder ob die 4. Liga schlichtweg das höchste der Gefühle für Wormser Verhältnisse ist? Dass in Worms mehr möglich ist, haben zwar die beiden Spiele im DFB-Pokal gegen Hertha BSC Berlin und den 1. FC Köln im Jahr 2012 gezeigt, als zusammen knapp 13.000 Zuschauer kamen und die Wormatia in der Stadt für einige Wochen in aller Munde war. Danach folgte die Borchers-Entlassung in der Winterpause, eine trostlose Rückrunde sowie eine verkorkste Saison 2013/2014 mit den erfolglosen und vorzeitig entlassenen „Startrainern“ Emmerling und Boysen. Irgendwann in dieser Zeit muss der Verein jede Menge Fans verloren haben, die in Anbetracht der teilweise unterirdischen Leistungen im Jahr 2013 ein großes Alternativangebot in der Region vorfanden. Während die einen, wenn sie Bundesligafußball sehen wollen, dafür lediglich nach Frankfurt oder Mainz fahren müssen, gibt es im Raum Worms außerdem noch jede Menge Fans des Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern, die Woche für Woche auf den Betze pilgern. Würden diese alle zur Wormatia gehen, sehe es auf den Rängen sicherlich anders aus. Aber solange man in der 4. Liga im Niemandsland rumdümpelt, steht zu befürchten, dass die Wormser Fußballfans weiterhin das reichhaltige Angebot im Rhein- Main-Gebiet und in der Pfalz wahrnehmen werden.

Wie geht’s sportlich weiter?
Zwar wird die junge Mannschaft von Sascha Eller nicht mehr aktiv ins Aufstiegsrennen eingreifen, aber kann sich zumindest als „Meistermacher“ betätigen. Am 11. April geht es gegen den derzeitigen Dritten SV Elversberg, wo man im Hinspiel unglücklich mit 0:3 unter Wert geschlagen wurde. Unvergessen die Szene, als ein Wormser Spieler verletzt am Boden lag, sogar noch angeschossen wurde und somit unfreiwillig die Vorlage zum entscheidenden 0:2 gab. Mit Fairplay hatte das wenig zu tun. Am letzten Spieltag kommt am 23. Mai mit dem 1. FC Saarbrücken ein weiterer heißer Aufstiegskandidat nach Worms, dem man noch im letzten Moment die Suppe versalzen könnte. Nicht zu vergessen steht eine Woche vorher noch das Derby beim SV Waldhof Mannheim an. Aufgrund der Tabellensituation kann der VFR die letzten Spiele entspannt angehen und daraus bereits wichtige Erkenntnisse für die nächste Saison ziehen.

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