„Wer gibt euch das Recht, mich zu töten?“

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Probenauftakt am 28. Mai des Stückes „Überwältigung“ bei den Nibelungen-Festspielen 2019

Ende Mai hielt der Festspieltross erneut Einzug in die Nibelungenstadt, um mit der traditionellen Leseprobe die Festspielsaison einzuläuten.

Wie so oft ist von der Story nur wenig bekannt, außer, dass man die Geschichte rückwärts erzählt. Ortlieb steht im Mittelpunkt der Handlung. Als es zum unvermeidlichen Gemetzel zu kommen scheint, richtet der Sohn von Kriemhild sein Wort an die Krieger und bittet darum, leben zu dürfen. Erinnerungen werden wach an Albert Ostermaier, der einst mit dem Stück „Gemetzel“ Nico Hofmanns Intendanten Debüt verfasste und bereits damals Ortlieb zum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte machte. Wollte Ortlieb damals wissen, wer seine Verwandten sind, stellt der Autor Thomas Melle in diesem Jahr die Frage nach dem Schicksal. Würden wir die Dinge anders handhaben, wenn wir wissen, was passiert? In der anschließenden Leseprobe lasen die versammelten Schauspieler die ersten zehn Minuten des Stücks. Neue Erkenntnisse, außer die beschriebene Ausgangssituation, gab es nicht unbedingt. Der Beginn der „Überwältigung“ gehört einem Chor, der freilich an diesem Vormittag noch nicht aktiv war und deswegen vom kompletten Schauspielerensemble gesprochen wurde: „Ein Flüstern im Wind, ein Summen im Laub, ein Rascheln im Gras, ein Rauschen im Fluss, ein Pfeifen im Wald,…!“ Man kann sich förmlich vorstellen, wie zunächst der Chor für eine getragene, düstere Stimmung sorgen wird, ehe die Szenerie dem jungen Ortlieb (Lisa Hrdina) gehört, der fordernd die Krieger am Königshof fragt: „Wer gibt euch das Recht, mich zu töten?(…) Das ist kein Schicksal, nein, das seid ihr selbst und habt mich auf dem Gewissen!“ Melles Sprache klingt geschliffen und das Ensemble wirkt an diesem Morgen hungrig, dessen Worte zu sprechen. Am 12. Juli wird schließlich erstmals der symbolische Vorhang fallen und die Zuschauer erfahren, ob sich Ortliebs Schicksal abwenden lässt. Wer Karten möchte, sollte allerdings schnell zugreifen. Wie Sascha Kaiser, Geschäftsführer der Nibelungenfestspiel gGmbh stolz an diesem Morgen verkündete, liegt die Ticketauslastung bereits bei stolzen 80 Prozent.

Die Nibelungen-Festspiele finden in der Zeit vom 12. bis 28. Juli auf der Nordseite des Doms statt. Informationen zu dem Stück und Tickets finden Sie unter www.nibelungenfestspiele.de