Die finanzielle Last des SchUM-Erbes
PavillonPläne und ein geschlossener Friedhof
Es war der 27. Juli 2021 als Worms, Speyer und Trier nach langer Bewerbungsphase für das jüdische Erbe dieser Städte endlich das langersehnte UNESCOWeltkulturerbeSiegel erhielten. Doch Erbe verpflichtet und das ist oftmals auch kostspielig, weshalb die Stadt einmal mehr auf Fördergelder angewiesen ist, während sie aus eigener Kraft aktuell noch nicht mal die Öffnung des Welterbes „Heiliger Sand“ gewährleisten kann.
Letzteres geschah unauffällig – fast schon über Nacht, könnte man sagen – am 16. Dezember des vergangenen Jahres. Wer seitdem die Ruhestätte aufsuchen möchte, trifft auf verschlossene Toren und den lapidaren Verweis „Vorübergehend geschlossen“. Alsbald war zu hören, dass die Schließung der angespannten Haushaltskasse geschuldet war, da diese keine weitere Finanzierung des erforderlichen Sicherheitsdienstes zuließ. Auf Anfrage unseres Magazins erklärt CARSTEN SCHNEIDERWIEDERKEHR,
Pressesprecher der Stadt Worms: „Die Notwendigkeit eines Sicherheitsdienstes ergibt sich u.a. aus den UNESCOAuflagen. Diese Kosten werden von der Stadt alleine getragen und nicht vom Land unterstützt.“ Doch wie hoch sind die Kosten? „Die voraussichtliche Einsparung beträgt von Dezember bis einschließlich März ungefähr 19.000 Euro“, klärt der Pressesprecher auf und ergänzt: „Man muss dazu betonen, dass die Besucherzahlen in den Wintermonaten sehr gering waren, sodass die Kosten dazu in keinem sinnvollen Verhältnis stehen, wenn der Haushalt derart angespannt ist.“ Immerhin soll es vorangemeldeten Gruppen möglich sein, das bedeutsame Erbe aufzusuchen.

Grafik: So soll der Wormser Neumarkt mit dem Pavillon des SchUM-Besuchszentrums zukünftig aussehen. © ts/c Architektur
Besuchszentrum geplant
Während der „Heilige Sand“ im unfreiwilligen Winterschlaf verweilt, plant die Stadt derweil am Neumarkt die Zukunft des jüdischen Erbes, nämlich ein Besuchszentrum in Form eines Pavillons, ergänzt durch das bereits existierende SchUMLab. Auch das ist eine Auflage, einhergehend mit dem Siegel. Aktuell plant Mainz in diesem Zusammenhang ebenfalls ein Besuchszentrum. Während man in Mainz bereits im Prozess der Fertigstellung ist, steht man in Worms noch am Anfang. Doch in einem weiteren Punkt unterscheidet sich Mainz von Worms. Während sich die Mainzer über den Standort schnell einig waren und das Zentrum am Alten Jüdischen Friedhof verorten, ging der Wormser Planung erstmal eine Standortsuche voraus.
Nach Prüfung mehrerer Immobilien wurde schließlich das leerstehende Ladenlokal auf der Südseite des Parkplatzes am Neumarkt angemietet. Seit vergangenem Jahr wird es unter dem Namen SchUMLab für Veranstaltungen genutzt. Das eigentliche Besuchszentrum soll indes auf dem bisherigen Parkplatz entstehen. Das ist ein Plan, der nicht jedem gefällt. Geplant ist ein transparenter, gläserner Bau mit einer „schwebenden“ Dachscheibe aus Sandstein, die sich harmonisch in die Platzgliederung einfügen soll. Umgeben wird der Informationspavillon von einer Grünanlage, die für Außenausstellungen genutzt werden soll. Um dies zu finanzieren, erhält die Stadt eine Förderung in Höhe von rund 2,3 Millionen Euro. Darin enthalten sind Landesmittel in Höhe von rund 1,2 Millionen Euro sowie EUMittel in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro. Der Fördersatz liegt bei 85 Prozent der förderfähigen Kosten. Das heißt, die Stadt muss mindestens 400.000 an weiteren Euros hinzusteuern. Kritik ließ nach Bekanntwerden der Pläne nicht lange auf sich warten.

Parkplatzfrust oder Tourismus stärken
Während die einen an das Scheitern des Neubaus rund um das Nibelungenmuseum erinnerten und sich fragten, warum man auf keinen Bestandsbau wie das Mauritius zu
rückgreife, verwiesen andere auf einen weiteren Parkplatz, der aus dem Stadtbild getilgt wird. Ein Umstand, der nicht nur Anwohner umtreibt, sondern auch Einzelhändler wie Marktbeschicker. Zwar finden sich im näheren Umfeld der Innenstadt drei Parkhäuser bzw. Tiefgaragen, doch längst zeigt sich, dass diese insbesondere an den Wochenendtagen bestens frequentiert sind und der Platz bei wachsender KfZZahl zunehmend begrenzt ist. Die Stadt erhofft sich durch den Standort dennoch keine Schwächung, sondern eine Stärkung der Innenstadt. Ministerin DANIELA SCHMITT war sich bei der Übergabe des Förderbescheids zumindest sicher, dass
„das neue Besucherzentrum den Tourismus und die City sowie das Bewusstsein für die Vielfalt und den Reichtum jüdischen
Lebens in unserem Land stärkt.“ Das Projekt soll innerhalb von rund drei Jahren umgesetzt werden.
Text: Dennis Dirigo, Fotos: Andreas Stumpf bzw. Quelle Stadt Worms (Visualisierung)










